Fußball-Bundesliga
Unerwartetes Karriereende mit 30: Süle will nicht mehr
Niklas Süle
Dortmunds Abwehrspieler Niklas Süle wird nach der Saison seine aktive Karriere beenden. (Archivbild)
Tom Weller. DPA

Urteile über seine Fitness und Verletzungen waren bei Niklas Süle fest mit seiner Karriere verbunden. Der Gedanke an eine nur mögliche Verletzung bewog den Dortmunder Abwehrspieler nun zum Abschied.

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Dortmund (dpa) - Als Niko Kovac vor 15 Monaten Trainer von Borussia Dortmund wurde, sollte sich für Niklas Süle eigentlich vieles ändern. Den BVB-Großverdiener und gleichzeitigen Problemfall bezeichnete Kovac bei entsprechender Fitness als sicheren WM-Fahrer. Gut einen Monat vor dem Beginn der Weltmeisterschaft verkündete der 49-malige Nationalspieler stattdessen nun sein Karriereende. Mit 30 Jahren. Wegen einer Verletzung, die es gar nicht gab. Der Abgang des Abwehrhünen kommt durchaus überraschend.

«Ich möchte bekanntgeben, dass ich meine Karriere im Sommer beenden werde», sagte der Innenverteidiger, dessen auslaufender Vertrag in Dortmund nicht verlängert wurde, im Podcast «Spielmacher» von «360Media». Der Entschluss dazu sei endgültig nach dem Spiel der Dortmunder bei seinem Ex-Club TSG 1899 Hoffenheim vor drei Wochen gefallen.

Tränen unter der Dusche

Beim 1:2 verletzte sich Süle am Knie - Kreuzbandriss, so schoss es ihm zunächst durch den Kopf. «In der Situation dachte ich wirklich: "Das ist gerissen"», sagte Süle. «Da bin ich in die Dusche und habe zehn Minuten geweint.» Am nächsten Tag sei ihm «zu tausend Prozent» klargeworden, «dass es vorbei ist», nachdem er die Nachricht bekommen habe, dass es eben doch kein Kreuzbandriss war.

«Ich konnte mir nichts Schlimmeres vorstellen, als mich eigentlich auf die Zeit danach zu freuen - unabhängig zu sein, in den Urlaub zu gehen, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen - dann aber meinen dritten Kreuzbandriss verarbeiten zu müssen», sagte Süle weiter.

Dass es gar keiner war und er womöglich am Freitag sogar gegen die Eintracht aus seiner Heimatstadt Frankfurt und im abschließenden Saisonspiel bei Werder Bremen eine Woche später noch einmal zum Einsatz kommt, war am Ende unerheblich. In seinen Ausführungen wird deutlich, wie sehr die vielen Verletzungen während seiner Karriere und die Berichte über seine offensichtlichen Fitnessprobleme an ihm genagt haben müssen.

Mit Regenjacke in die Sauna vor dem wöchentlichen Wiegen

«Das hat mich immer verfolgt», sagte Süle und berichtete über seine Zeit bei den Bayern, mit denen er fünfmal deutscher Meister wurde und einmal die Champions League gewann. Unter dem damaligen Coach Jupp Heynckes, der ihn ebenso schätzte wie Kovac bei den Bayern und in Dortmund, aß er mittwochs nie etwas und setzte sich abends mit der Regenjacke in die Sauna. «Und am nächsten Tag zweieinhalb Kilo weniger gehabt», sagte Süle. Denn da stand der wöchentliche Gang auf die Waage bei den Bayern an.

Über sein Potenzial verfügten oder verfügen in Deutschland nur ganz wenige andere Abwehrspieler. Ihm wird der Makel anhaften, dieses zu selten und vor allem nicht konstant genug abgerufen zu haben. Warum, das wird am Ende nur er wissen. «Wir wollen ihn so schnell wie möglich fit bekommen», verkündete Kovac zu Beginn seiner Amtszeit. Auch er, bei dem Süle in München einst nach eigener Aussage noch einen «Fixplatz» hatte, schaffte dies nicht.

Süle, der im Sommer 2022 vom FC Bayern ablösefrei zum BVB gewechselt war, fühlte sich trotz seiner Probleme im Ruhrgebiet wohl. «Ich wurde von den Fans immer offen empfangen. Die Zeit werde ich sehr vermissen. Wie ich mich hier wohlgefühlt habe. Ich habe am ersten Tag gemerkt, wie die Menschen in Dortmund sind: offen, herzlich, ehrlich», sagte Süle. Einen anderen Verein soll es nicht mehr geben. Nach dem letzten Spieltag am 16. Mai verstummen die öffentlichen Debatten über seine Fitness.

© dpa-infocom, dpa:260507-930-45628/3

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