Bonn/Berlin (dpa/tmn) – Ihr erstes Kind wird diesen Sommer eingeschult? Herzlichen Glückwunsch, damit geht es auch für die Eltern zurück in den Schulbetrieb.
Zeit also für die letzten Vorbereitungen und für ein paar Gedanken, wie man sich gemeinsam mit dem Kind in der Schulwelt zurechtfindet. Elternberaterin Isabel Ruland macht Eltern Mut und spricht über gemeinsame Rituale, Neugier und den Beginn einer neuen Ära für die Familie.
Stifte, Hefte und Co: Großer Einkauf möglichst früh
Fangen Sie früh an und vergessen Sie die Kinder nicht – so lautet der Rat von Isabel Ruland. Denn so kann man zusammen die richtigen Hefte und Stifte und Mappen aussuchen. So können sich die Kinder gleich mit einbringen. Wichtig: Die Beschaffungslisten der Schule mögen nicht immer dem Geschmack entsprechen, beruhen aber auf Erfahrung. Was da drauf steht, braucht man meistens auch.
Und auch wenn es einfacher erscheint, die Dinge schnell selbst einzukaufen oder zu bestellen. Isabel Ruland sagt: «Das Kind sollte beim Einkauf dabei sein.» So kann auch gleich eine Beziehung zu den künftigen Arbeitswerkzeugen entstehen. Und damit es nicht zu teuer wird: Rund um den Schulanfang gibt es auch bei den Handelsketten immer wieder Aktionen für günstige Hefte, Stifte oder Kleber. «Es muss nicht immer das Teuerste sein, wichtiger ist, dass es die richtigen Sachen sind», sagt Ruland.
Der allerwichtigste Rat: «Beschriften Sie alles mit dem Namen oder Initialen des Kindes.» Nach spätestens einem Monat werden Sie wissen warum. Wirklich alles. Stifte, Sportkleidung, Rucksack. Das kann man auch gemeinsam erledigen.
Der Schulanfang – die Hauptperson nicht vergessen
Bevor Sie alles bis ins Detail planen: Fragen Sie Ihr Kind nach seinen Vorstellungen. Zwischen den gefühlten Erwartungen der Familie und den Wünschen der Kinder liegen oft Welten.
Wenn Kinder ihren großen Tag mitgestalten, lernen sie auch, dass Sie Dinge in der Hand haben und nicht alles einfach so mit ihnen geschieht, sagt Ruland. Und so wird die Hauptperson des Tages nicht aus Versehen zur Nebensache.
Auch wichtig: Die eigenen Erwartungen und Gefühle im Blick behalten. Denn es ist nicht nur für die Kinder ein großer Schritt, sondern auch für die Eltern. Das Gute daran: «Sie sind nicht allein», sagt Isabel Ruland. Warum nicht bei der Einschulungszeremonie die Chance nutzen, schon mal mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen?
Der erste Elternabend – keine Angst!
«Hingehen! Auf jeden Fall hingehen», wirbt die erfahrene Elternvertreterin und Mutter zweier Kinder. Am besten mit Zuversicht, Kooperation und Neugier. Wer sich mal ehrlich hinterfragt, merkt oft schnell: Auch für die Eltern ist das hier eine kleine zweite Einschulung. Von der eigenen möglicherweise nicht so guten Schulerfahrung sollte man sich da nicht zurückhalten lassen. «Lieber zuversichtlich sein wie die Kinder.»
Das gilt auch für mögliche Ämter in Elternvertretung oder Klassenpflegschaft. «Meine Erfahrung ist, dass man das sehr individuell gestalten kann», sagt Isabel Ruland mit Blick auf die Angst vieler Eltern, da nicht die nötige Zeit zu haben. Der Vorteil solcher Ämter: Man bekommt viel mehr mit, hat Kontakt zur Schule und ist einfach mehr im Gespräch.
Endgegner Eltern-Chat: Warum Zurückhaltung siegt
Egal, ob WhatsApp, Signal oder was auch immer: «Eltern-Chat ist so eine Sache», sagt die erfahrene Elternvertreterin vorsichtig. Sie werden merken warum. «Da ist schnell viel getippt und es geht schnell hoch her.» Der Rat deswegen: «Zurückhaltung ist eine Zier, selbst wenn es manchmal schwerfällt.» Meist – besonders bei Konflikten – ist das persönliche Gespräch besser. Isabel Ruland: «Problemlösung wird nie im Chat passieren.»
Welcher Messenger benutzt wird, sollte am besten per Abstimmung festgelegt werden. Dabei immer dran denken: Manche Leute dürfen oder wollen Whatsapp etwa aus beruflichen oder datenschutzrechtlichen Gründen nicht benutzen. Aber auch die sind Teil der Klassengemeinschaft und sollten nicht ausgeschlossen werden.
Viel wichtiger: Eine Adress-, Mail- und Telefonliste. Das sollten Eltern beim ersten Elternabend klären. «Machen wir eine Adressliste, oder nicht?» Für die eher förmlichen Dinge und Mitteilungen empfiehlt sie eine E-Mail-Liste. Im Zweifel wissen die Lehrkräfte Bescheid.
Schule aus – was machen wir dann?
Sprachkurs, Sport, Musik? Wie viel ist genug, wie viel zu viel? «Das Wichtigste ist die Konzentration auf die Schule», sagt die Elternberaterin. Aber sie wirbt auch für Sport und Musik. «Das sind zwei Sachen, die der Entwicklung am besten förderlich sind und die auch Spaß machen.»
Wie viel da nach einem langen Schultag noch geht, müssen Eltern und Kinder gemeinsam herausfinden. Ein bis zwei zusätzliche Aktivitäten pro Woche nennt Isabel Ruland als Richtwert. «Wenn ein Kind gut klarkommt und es für die Familie funktioniert.» Und das ist nicht nur so gesagt, denn zu viele Aktivitäten sind am Ende auch nur Stress. Für Kinder – und auch für die Eltern.
Hektischer Alltag – gemeinsam runterkommen
Apropos Stress. Der kommt – gerade am Anfang, wenn alles neu ist – morgens unweigerlich auf. Wer die Schultasche und das Sportzeug schon abends packt, nimmt morgens merklich Druck raus. Irgendwas wird trotzdem immer schiefgehen: «Man vergisst ja mal was, niemand ist perfekt.»
Beim Organisieren die Kinder frühestmöglich einbinden. Isabel Ruland rät etwa zu einer gemeinsam gemalten Liste an der Haustür. Da können die Kinder dann früh lernen, was an welchem Tag mit in die Schule muss. Ein schönes Ritual.
Und noch bei einer anderen Sache helfen Rituale: Beim Dranbleiben am Schulgeschehen. Etwa, indem man abends gemeinsam kurz den Stundenplan durchgeht und fragt: «Was habt ihr da gemacht? Was sind die Hausaufgaben?» Das gibt Kindern Zeit, den Tag zu reflektieren – und die Eltern sind informiert und die Familie legt den Grundstein für eine gesunde Gesprächskultur.
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