Berlin (dpa/tmn) – Auch wenn wir heutzutage gefühlt mehr Zeit haben: Irgendwann tickt die biologische Uhr. Oder der Wunsch nach einem Kind ist ganz unabhängig vom Alter groß – oder im Gegenteil: definitiv so gar nicht vorhanden.
Jenseits der Anfangzwanziger ist der Kinderwunsch häufig ein Thema. Für viele auch beim Dating. Immerhin ist das Ziel, jemanden für eine gemeinsame Zukunft zu finden – mit oder eben ganz klar ohne Kinder.
Sollte man deshalb beim ersten Date schon Tacheles reden? «Beim ersten Treffen vielleicht nicht gleich. Aber wenn man merkt, dass man sich hingezogen fühlt, vielleicht sogar schon Verliebtheit im Spiel ist», sagt Diplom-Psychologin Simone Jank, die sich in ihrer Praxis auch mit Fragen rund ums Daten und Beziehungen befasst.
Immerhin gehe es hier um grundsätzliche Werte im Leben. Unterschiedliche Wünsche könnten sich stark auf die spätere Beziehung auswirken.
Nicht mit der Tür ins Haus fallen – aber offen sein
Wie spricht man es dann am besten an? «Nicht mit der Brechstange, lieber erst mal vorsichtig abklopfen», rät Simone Jank. Man könne in einem passenden Moment fragen, wie die andere Person sich die Zukunft vorstelle und was sie sich wünsche. «Und dann Fragen stellen, ein wenig erkunden.» Und selbst auch offen sein.
Wenn die Vorstellungen stark auseinandergehen, müsse man das Date nicht automatisch abbrechen. «Fragen Sie nach, warum die Entscheidung für oder gegen ein Kind fällt. Und ob es eher eine Momentaufnahme ist oder eine generelle Entscheidung», rät die Psychologin.
Realistisch auf die eigenen Wünsche schauen
Wenn Menschen einen starken Kinderwunsch haben, besteht die Gefahr, dass sie die andere Person funktionalisieren – also vorrangig jemanden suchen, mit dem sie eine Familie gründen können.
Simone Jank rät daher: «Achten Sie für sich selbst darauf, nicht zu bedürftig ranzugehen». Aber machen Sie sich auch klar: Es ist wertvoll, sich Kinder zu wünschen, und kein Makel. Auch nicht beim Daten.
Und wenn die Vorstellungen so gar nicht passen? «Dann besteht die Gefahr, dass sich Stress, Wut und Groll anstauen», sagt Jank. Wenn ein Paar zu unterschiedliche Wertevorstellungen hat, ist das ein Herd für Konflikte. «Die Folge sind Konflikte und eine instabile Beziehung.» Ein Grund mehr, die eigenen Vorstellungen über Kinder, Heiraten und Co. schon in der Dating-Phase zu äußern.
© dpa-infocom, dpa:260412-930-936281/1

