Archivierter Artikel vom 15.12.2014, 06:00 Uhr
Kabul

Ursula von der Leyen: Afghanistan-Einsatz soll „langsam ausgleiten“

Die Kolonne der Panzerfahrzeuge stoppt auf dem Weg zwischen dem Ausbildungscamp der afghanischen Armee und dem Generalkonsulat. Die Soldaten hat die Meldung erreicht, dass es in der Nähe der blauen Moschee in Mazar-e Sharif einen Sprengstoffanschlag gegeben haben soll.

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Truppenbesuch von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Afghanistan – im Flieger unterwegs ins ISAF-Hauptquatier.
Truppenbesuch von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Afghanistan – im Flieger unterwegs ins ISAF-Hauptquatier.
Foto: dpa

Aus Afghanistan berichtet unsere Korrespondentin Eva Quadbeck

Das Weiterfahren erscheint zu gefährlich. Nach 20 Minuten, in denen der Tross von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warten muss, kommt die Entwarnung: Fehlermeldung. Bei der blauen Moschee ist nichts passiert.

Die Militärs reagieren gerade wieder besonders sensibel auf ungewöhnliche Vorfälle in Afghanistan. Seitdem die internationalen Truppen mit dem Abzug begonnen haben und die afghanische Armee nach und nach selbst die Sicherheit im Land garantieren will, hat sich die Zahl der Anschläge durch die Taliban wieder erhöht. Typischerweise gingen die Taliban bislang im Frühjahr in die Offensive. Dass sie nun auch im Winter Anschläge verüben, sorgt die Militärs. Am Samstag ist ein verzinkter Sarg aus Kabul in Mazar-e Sharif eingetroffen. Bei dem Toten handelt es sich um einen Entwicklungshelfer aus Deutschland, der bei einem Selbstmordattentat auf die französische Schule in Kabul zwei Tage zuvor ums Leben kam.

Afghanistan soll nicht den gleichen Weg nehmen wie der Irak. 2011 zogen sich die amerikanischen Truppen von dort zurück. Seitdem breitet sich die Terrormiliz Islamischer Staat dort aus. In diesem Jahr entschieden die Amerikaner, doch wieder im Irak einzugreifen. Dieses Schicksal hat von der Leyen vor Augen, wenn sie mahnt, dass die deutsche Unterstützer-Mission „ein langsames Ausgleiten und nicht ein abruptes Ende“ brauche.

Dennoch ist es ein historischer Besuch der Ministerin. Den Afghanen steht ein harter Schnitt bevor. Bis zum 15. Dezember will die Bundeswehr die Zahl ihrer Soldaten in Afghanistan auf 850 reduzieren. Stand heute sind es noch 1200. Auch die anderen Nationen reduzieren ihre Streitkräfte. Die 850 Soldaten werden im Verbund mit 20 anderen Nationen für die Isaf-Folgemission mit dem Namen „Resolute Support“ dienen.

Support steht für Unterstützung und bedeutet, dass sich die Deutschen insbesondere bei der Ausbildung der afghanischen Soldaten weiter engagieren werden. „Es ist richtig und wichtig, dass der Einsatz endet und die Afghanen selbst ihr Schicksal in die Hand nehmen“, sagt von der Leyen. Zuvor hatte Oberst Greggersen betont: „Im Gefecht draußen sind die Afghanen gut, besser als wir. Aber in der Planung können wir ihnen noch helfen.“ Die Bundeswehr unterstützt die afghanische Pionierschule, in der afghanische Wissbegierde und deutsche Gründlichkeit aufeinandertreffen. Beim Besuch der Ministerin herrscht Hochbetrieb. Auf einem Platz mit grobem Kies stehen vier junge Männer in Tarnuniform und mit Holzgewehren, davor laufen drei gebückt mit Minensuchgeräten. So üben die angehenden Soldaten im Ausbildungslager für den Ernstfall.

Ob Afghanistan das Schicksal des Iraks erspart bleibt, ist offen. Am Ende wird auch der Abzugszeitpunkt eine entscheidende Rolle spielen. US-Präsident Barack Obama will seine letzten Soldaten 2016 aus Afghanistan herausholen. Allerdings gibt es vor dem Hintergrund der Krisensituation im Irak dort dazu auch eine Debatte, ob man einen festen Abzugstermin nicht lieber vermeidet, um ein Wiedererstarken der Taliban zu verhindern.

Trotz des Todes ihres Vaters setzte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihren Afghanistan-Besuch am Sonntag fort. Ihr Programm wurde aber aus Sicherheitsgründen geheim gehalten.