Archivierter Artikel vom 30.10.2014, 06:00 Uhr
Berlin

Trotz guter Bildung: Migranten sind oft arm

Jugendliche mit Migrationshintergrund machen immer öfter Abitur. Doch selbst ein guter Schulabschluss schützt sie häufig nicht vor Armut. Das geht aus dem neuen Ausländerbericht hervor. Demnach liegt die Gefahr, in Armut zu verharren, für Abiturienten mit ausländischen Wurzeln bei 20 Prozent. Diese Quote ist doppelt so hoch wie bei Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund.

Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz
Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz
Foto: dpa

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), spricht dennoch von deutlichen Fortschritten. Der Anteil unter den ausländischen Schülern, die an einem Gymnasium einen Abschluss erreichten, ist dem Bericht zufolge zwischen 2008 und 2012 von 11,2 auf 16,2 Prozent gestiegen. Zudem legte der Anteil der Studenten mit ausländischer Staatsangehörigkeit an deutschen Hochschulen auf 12 Prozent zu. Mit 41 Prozent brechen jedoch weitaus mehr Ausländer ihr Bachelor-Studium ab als Deutsche (28 Prozent).

Viele Ausländer auf Hauptschulen – relative wenige auf den Gymnasien

Laut Bericht sind ausländische Schüler weiter an Hauptschulen überrepräsentiert, an Gymnasien dagegen vergleichsweise selten vertreten. 40 Prozent aller Jugendlichen mit Migrationshintergrund machten 2012 einen Hauptschulabschluss. Mehr als 11 Prozent verließen diese Schulen ohne Abschluss. Unter den Deutschen waren es nur 5,4 Prozent.

Der Bildungserfolg hängt nach wie vor von der sozialen Herkunft ab. Das wirkt sich bei der Notenvergabe aus, aber auch bei Empfehlungen für Schulwechsel. Als Grund wird die „fehlende ethnische Diversität der Lehrerschaft“ und im Lehrmaterial verwiesen. Es gebe auch „negative Stereotypen“ bei Lehrern, heißt es im Bericht.

Dreimal mehr junge Migranten ohne Ausbildung

Özoguz bezeichnet es als alarmierend, dass 30,5 Prozent der jungen Menschen aus dem Ausland ohne Berufsausbildung bleiben – dreimal mehr als unter den Deutschen. Zudem würden Bewerber mit Einwanderungsgeschichte bei der Suche nach Ausbildungsplätzen weiter diskriminiert. Im Bericht wird auf eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) verwiesen, wonach Jugendliche mit türkisch oder arabisch klingenden Namen schlechtere Aussichten auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch haben.

Die SPD-Politikerin Özoguz plädiert für mehr kulturelle Vielfalt in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Das müsse als Normalität und Chance begriffen werden, sagte sie. Der aktuelle Ausländerbericht beurteilte die Lage von Migranten von Frühjahr 2012 bis 2014. Im Jahr 2012 lebten 16,3 Millionen Migranten in Deutschland. Mit 18,3 Prozent bildeten die Türken darunter die größte Gruppe.