Archivierter Artikel vom 18.12.2014, 18:43 Uhr
Berlin

Transportflieger: A400M landet mit mit vier Jahren Verspätung

Darauf hat die Bundeswehr vier Jahre länger gewartet als ursprünglich geplant: Der erste Airbus A400M mit der Aufschrift „Luftwaffe“ ist jetzt in ihrem Besitz. Ganz ungetrübt ist die Freude über die vorweihnachtliche Bescherung aber nicht.

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Der neue Militärtransporter A400M

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Foto: Pigeyre Pascal/ Airbus Defence and Space – dpa

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Der neue Militärtransporter A400M

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Lange hat der Airbus A400M vor allem für Negativschlagzeilen gesorgt. Das Großprojekt der Rüstungsindustrie geriet wesentlich teurer als erwartet. Jetzt hat die Bundeswehr die ersten Transportmaschinen erhalten.

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Die Transportflugzeuge A400M und Transall mit ihren technischen Daten im Vergleich. Grafik: A. Brühl, Redaktion: A. Eickelkamp, dpa- infografik GmbH

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Von Michael Fischer (dpa)

Denn die Maschine – auch „Atlas“ genannt – ist nicht nur das modernste Transportflugzeug der Welt. Er ist neben der Skandaldrohne Euro Hawk auch das prominenteste Beispiel für Pleiten, Pech und Pannen bei den großen Rüstungsprojekten der Bundeswehr.

In den Jahren 2009 und 2010 lieferten sich Airbus und die sieben Auftraggeberstaaten eine beispiellose Schlammschlacht. Es ging um Missmanagement, Sonderwünsche, technische Probleme und jahrelange Verzögerungen. Die Kosten liefen komplett aus dem Ruder. Unter dem Strich mussten die Abnehmerländer 3,5 Milliarden Euro draufzahlen. Der Kaufvertrag wurde insgesamt 87-mal geändert, die Stückzahl von 180 auf 170 reduziert. Der größte Airbus-Kunde blieb Deutschland mit 53 statt ursprünglich 60 Exemplaren.

Nie wieder einen solchen Vertrag…

Der Streit wirkt bis heute nach. „So einen Vertrag wie beim A400M unterschreiben wir nie wieder, so viel steht fest“, sagte Airbus-Chef Thomas Enders kürzlich in einem „Cicero“-Interview. Trotzdem überwiegt inzwischen auf beiden Seiten die Freude, dass der Flieger nun endlich in Deutschland ankommt. Denn er wird dringend benötigt. Die bisher genutzten Transportmaschinen Transall sind inzwischen bis zu 46 Jahre alt. Obwohl sie grundsätzlich als solide gelten, häufen sich mittlerweile die Pannen. Bei dem Transport von Waffenausbildern in den Irak blieben zuletzt gleich zwei Maschinen defekt liegen. Mit der A400M soll jetzt alles besser werden. Die viermotorige Turboprop-Maschine ist deutlich größer und leistungsfähiger als die Transall. In den Rumpf passen mehr als doppelt so viel Material, Hubschrauber und Panzer. Der neue Flieger ist zudem schneller (780 statt 510 km/h) und kann weiter fliegen (4450 statt 2750 Kilometer).

Sehr wichtiges Gerät

Für die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr hat die A400M einen extrem hohen Stellenwert. Transportflugzeuge, die auch jenseits einer befestigten Bahn landen können, sind in der Nato Mangelware. Und die Missionen, in denen sie gebraucht werden, sind zahlreich. Die Bundeswehr hat ihre Transall-Maschinen zuletzt in den Einsatz gegen islamistische Rebellen in den afrikanischen Wüstenstaat Mali geschickt und sie für die Ebola-Luftbrücke in Westafrika zur Verfügung gestellt. In Afghanistan flogen die Oldtimer 13 Jahre lang.

Bei neuen internationalen Missionen ist das Bereitstellen von Transport- oder Sanitätsflugzeugen innenpolitisch leichter zu vermitteln als die Entsendung von Kampftruppen. Auch deshalb freut sich die Bundesregierung auf die A400M. Aber auch elf Jahre nach der Vertragsunterzeichnung ist das neue Transportflugzeug noch nicht ganz fertig. Das Schutzsystem für gefährliche Einsätze soll erst 2016 eingebaut werden. Lasten und Personen kann die Maschine noch nicht aus der Luft absetzen. „Des Weiteren existieren temporäre Einschränkungen beim Personaltransport bei längeren Flügen, beim Tiefflug sowie bei Landungen auf unbefestigten Pisten“, teilte das Ministerium dem Bundestag kürzlich in einem vertraulichen Papier mit. Wann die Luftwaffe den ersten Einsatz mit der A400M fliegen wird, ist damit noch offen. Airbus meint, das sei trotz der Mängel sofort möglich. Die Bundeswehr will allerdings lieber noch ein paar Monate trainieren.