Terror in Nairobi: Tote und Verletzte

terror nairobi Foto: dpa

Panik in Nairobi: Maskierte stürmen ein Einkaufszentrum eröffnen das Feuer und nehmen Geiseln. Das Militär kommt zum Einsatz. Der Hintergrund ist unklar, Terror wird aber nicht ausgeschlossen.

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Nairobi/Berlin (dpa) -Bei einem bewaffneten Überfall auf ein Einkaufszentrum in Nairobi sind nach Angaben von Rettern mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 50 wurden verletzt, wie der Chef des Roten Kreuzes, Abbas Gullet, am Samstag der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die Polizei des ostafrikanischen Landes schloss einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Nach Angaben der Polizei waren 18 maskierte Täter in das exklusive Westgate-Einkaufszentrum in Kenias Hauptstadt eingedrungen und hatten um sich geschossen.

Die Angreifer hätten auch Geiseln genommen. Der Einsatz der Sicherheitskräfte sei noch im Gange, ergänzte Gullet: „Die Polizei versucht weiter, Menschen aus dem Gebäude zu bekommen.“ Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, es gebe bislang keinen Hinweis darauf, dass Deutsche betroffen sein könnten.

Das Militär wurde ebenfalls hinzugezogen. Auch Maschinen der Luftwaffe seien im Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium mit. Es werde eine Operation zur Rettung der Menschen in dem Gebäude vorbereitet, sagte ein Regierungssprecher am Nachmittag. Eine Antiterror-Einheit sei bereits vor Ort.

Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, Sicherheitskräfte hätten das Einkaufszentrum umstellt und stünden zur Erstürmung bereit. Nach Angaben des Innenministeriums steht noch nicht fest, wer die Angreifer sind.

Schon seit langem warnen Sicherheitsbehörden vor möglichen Terroranschlägen in Einkaufszentren in Kenia. Auch im Westgate werden alle Fahrzeuge vor der Fahrt aufs Parkdeck oder in die Tiefgarage kontrolliert, an den Eingängen werden die Besucher in der Regel mit Metalldetektoren untersucht.

Das Land ist zudem seit geraumer Zeit Zielscheibe terroristischer Anschläge der somalischen Islamisten-Miliz Al-Schabaab. 2011 waren kenianische Truppen in Somalia einmarschiert, um die Miliz zu bekämpfen.

„Wir haben eine große Schießerei gehört und sind weggerannt“, berichtete ein Augenzeuge. Fernsehbilder zeigten, wie Menschen in Panik aus dem Einkaufszentrum stürmten und Schutz suchten. Manche lagen sich schockiert in den Armen.

Eine Supermarktkette, die in dem Gebäude eine Filiale betreibt, bestätigte, dass einige Kunden als Geiseln genommen worden seien. Die Täter hätten aber bislang keine Forderungen gestellt.

„Die Angreifer sind schwer bewaffnet und schießen aus allen Ecken“, sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes. Die Täter hätten das Einkaufszentrum unter ihre Kontrolle gebracht.

Das Westgate-Einkaufszentrum im Stadtteil Westlands wurde 2007 eröffnet. Es beherbergt nach Angaben der Betreiber mehr als 80 Geschäfte, ein Kino mit mehreren Sälen sowie ein Kasino. Auf der Internet-Homepage beschreibt es sich als „ruhigen und sicheren“ Ort. Das Zentrum ist ein beliebter Treffpunkt für wohlhabende Kenianer und im Land lebende Ausländer. Vor allen an Wochenenden ist es gut besucht.

Die Kriminalität ist eines der Hauptprobleme Nairobis. Das Auswärtige Amt warnt etwa vor Raubüberfällen. Bestimmte Gegenden der Metropole sollten auch bei Tag gemieden werden. Zu den größten Missständen zählen die grassierende Armut und die schlechte Lebenssituation vieler Hauptstädter. Über 60 Prozent der mehr als 3,5 Millionen Einwohner leben in Slums.