Zwei Tage nach Beginn des Winterlockdowns stieg das Infektionsgeschehen weiter. Mit mehr als 30.000 binnen einem Tag gemeldeten Corona-Infektionen gab es abermals einen neuen Rekord. Mit 813 Todesfällen meldete das Robert Koch-Institut zudem den zweithöchsten Wert nach 952 am Mittwoch. Laut Statistischem Bundesamt sind bereits in der dritten Novemberwoche 9 Prozent mehr Menschen in Deutschland gestorben als im Schnitt der Vorjahre. Spahn mahnte eindringlich, auch über Weihnachten sämtliche privaten Kontakte einzuschränken: „Wir müssen diese Dynamik brechen“, betonte er. „Jeder zweite Todesfall in dieser Pandemie ist ein über 80-Jähriger, eine über 80-Jährige.“ Deswegen beginne die Impfung in den ersten Tagen nach dem Start in Pflegeeinrichtungen. Dies gelte – auch wenn Ärzte und Pfleger in der Intensivmedizin ebenfalls zur ersten Priorität zählen. Denn es sei eine bittere Erkenntnis, dass Corona trotz aller Schutzkonzepte nicht sicher aus Pflegeheimen ferngehalten werden könne. Einmal in einem Heim aufgetreten, schlage das Virus dort brutal zu.
Alle anderen Menschen bat der Minister erneut um Geduld. „Ich bitte Sie darum abzuwarten, bis auch Sie an der Reihe sind.“ Spahn: „Der Winter wird noch lang, wir werden noch längere Zeit mit diesem Virus leben müssen.“
Höchste Priorität in Gruppe eins haben demnach über 80-Jährige, Personal und Bewohner in Pflegeheimen und Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko – etwa in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten. Zur Gruppe zwei mit hoher Priorität gehören unter anderem über 70-Jährige und Menschen mit hohem Risiko für schwere Corona-Verläufe – etwa mit Trisomie 21, Demenz oder einer geistigen Behinderung.
Zur Gruppe drei mit erhöhter Priorität gehören über 60-Jährige und Menschen mit Krebs, Herzerkrankungen, Diabetes, Schlaganfall oder Asthma. Zu dieser Gruppe zählen auch Bundestag und Bundesregierung, Streitkräfte, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Justiz, Katastrophenschutz, Beschäftigte in Apotheken, Schulen, Kindergärten, der Ernährungs- und Telekommunikationsbranche, der Wasser-, Energie- und Abfallwirtschaft, im Verkehr und Lebensmittelhandel.
Im ersten Quartal 2021 rechnet Spahn mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen für Deutschland. Die Europäische Union hätte laut einem „Spiegel“-Bericht mehr von dem Impfstoff der Hersteller Biontech und Pfizer kaufen können als die bestellten bis zu 300 Millionen Dosen. Biontech habe bis zu 500 Millionen Einheiten angeboten, zitierte das Magazin aus Verhandlungskreisen. Auch die Firma Moderna hätte der EU mehr von ihrem Impfstoff liefern können als die vereinbarten bis zu 160 Millionen Einheiten, sagte Unternehmenschef Stephane Bancel. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, das Ziel sei ein breites Portfolio verschiedener Anbieter gewesen.
Der Preis der nach einem neuartigen Verfahren entwickelten Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna liegt um ein Vielfaches höher als bei herkömmlichen Mitteln, wie sie etwa Astrazeneca auf den Markt bringen will. Die belgische Staatssekretärin Eva De Bleeker veröffentlichte die geheim gehaltenen Preise zeitweise auf Twitter. Demnach kostet eine Dosis des Moderna-Impfstoffs rund 15 Euro, eine von Biontech/Pfizer 12 Euro, eine von Astrazeneca 1,78 Euro. Der Tweet wurde später gelöscht.
