Bonn

Saudi-Arabien bremst bei Bonner Klimakonferenz – trotz des Warnsignals Hitze

Von Christoph Driessen
Junge Teilnehmer einer Klimademonstration „Fridays for Future“.
Junge Teilnehmer einer Klimademonstration „Fridays for Future“. Foto: dpa

Zehn Tage berieten UN-Klimaexperten in Bonn – und die meiste Zeit war es ungewöhnlich heiß. Ein sehr konkretes Warnsignal für alle, findet die Präsidentin der nächsten Weltklimakonferenz. Doch es gibt auch eine „unheilige Allianz der Wissenschaftsleugner“.

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Saudi-Arabien hat bei der UN-Klimakonferenz in Bonn teilweise mit Unterstützung der USA wissenschaftliche Erkenntnisse zur Erderwärmung angezweifelt und sich bei den Beratungen als Bremser betätigt. Die Vertreter Saudi-Arabiens wandten sich gegen einen Bericht, der hervorhebt, wie wichtig es ist, den weltweiten Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. „Saudi-Arabien, die USA und der Iran bilden hier eine unheilige Allianz der Wissenschaftsleugner“, sagte Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser am Donnerstag. „Dieser Report des Weltklimarats ist so unmissverständlich in seiner Botschaft – jeder Widerspruch dagegen klingt wie verantwortungslose Ignoranz.“

Gute Freunde: Adel al- Dschubeir, Außenminister von Saudi- Arabien, verabschiedet Mike Pompeo, Außenminister der USA, am Flughafen.
Gute Freunde: Adel al- Dschubeir, Außenminister von Saudi- Arabien, verabschiedet Mike Pompeo, Außenminister der USA, am Flughafen.
Foto: dpa

Der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig bestätigte: „Saudi-Arabien ist der Hauptakteur dieser Attacke gegen die Wissenschaft, in einigen Aspekten sind ihnen aber auch die USA zur Seite gesprungen.“ Michael Schäfer vom WWF kritisierte das wiederholte Infragestellen wissenschaftlicher Erkenntnisse: „Es ist unverantwortlich, vor den Fakten weiter die Augen zu verschließen.“

Einmal gespart – doppelt gezählt?

Kaum weitergekommen sind die Unterhändler bei den sogenannten Marktmechanismen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Dabei geht es darum, dass Länder Klimaschutzmaßnahmen in anderen Ländern finanzieren können und dafür im eigenen Land weniger tun müssen. Der klimapolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Lukas Köhler, forderte, bei der Weltklimakonferenz in Chile müsten „klare Regeln beschlossen werden, die insbesondere die doppelte Abrechnung von CO2-Einsparungen verhindern“.

Befürchtet wird, dass die jeweilige Einsparung zweimal gezählt wird: in dem Land, in dem sie erfolgt, und dort, wo sie finanziert wird. Einige Länder wie Brasilien wollten hier möglichst laxe Regeln durchsetzen, sagte Oxfam-Experte Kowalzig. Greenpeace-Chef Kaiser kritisierte: „Keine Regierung darf sich einbilden, mit ein paar Waldprojekten oder Solarparks im Ausland eigene Sofortmaßnahmen für ein schnelles Senken des CO2-Ausstoßes ersetzen zu können.“

Die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt
Die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt
Foto: dpa

Zehn Tage haben die UN-Klimaexperten in Bonn beraten – und die meiste Zeit war es ungewöhnlich heiß. Nach Einschätzung der chilenischen Umweltministerin Carolina Schmidt lässt die Hitzewelle in Deutschland die Folgen des Klimawandels sehr konkret spürbar werden. „Das ist nicht etwas, was in 100 Jahren passiert, es ist etwas, was wir jetzt schon erfahren“, sagte die Präsidentin der nächsten Weltklimakonferenz im Dezember in Santiago de Chile.

Chile leidet schon lange unter Dürre

„In Chile leiden wir seit fast zehn Jahren unter Trockenheit. Das betrifft 70 Prozent unserer Bevölkerung.“ Die chilenische Politikerin hat kürzlich ein Video aufgenommen, das sie unter der Dusche zeigt: Damit will sie dafür werben, nur einmal am Tag und höchstens drei Minuten lang zu duschen. Die Bekämpfung des Klimawandels sei nicht nur eine Aufgabe für Regierungen, betonte Schmidt. „Jeder muss sich ändern.“

Von Christoph Driessen (dpa)