Archivierter Artikel vom 22.08.2013, 11:55 Uhr

RZ-Kommentar: Rheinland-Pfalz hat ein Image-Problem mehr

Der für 330 Millionen Euro ausgebaute Nürburgring ist pleite und muss verkauft werden. Der Flughafen Hahn steckt in tiefroten Zahlen. Straßen sollen keine mehr gebaut werden, dafür aber unkontrolliert immer mehr Windräder.

Ursula Samary.
Ursula Samary.

Ursula Samary kommentiert

Bahnlärm vertreibt Touristen und macht Anwohner krank. Fernzug-Reisende stranden vor Mainz. Rheinland-Pfalz, das müsste den rot-grünen Landespolitikern bewusst sein, braucht dringend Imagewerbung. Aber von der weltweiten Bühne der Grünen Woche, auf der sich Länder mit ihren Spezialitäten sympathisch und werbewirksam präsentieren, verabschiedet sich das Land jetzt auch noch und macht weiter Negativ-Schlagzeilen.

Wenn trotzdem in Berlin noch rheinland-pfälzischer Wein, Eifel-Schinken oder Wildknacker vom Hunsrück zu probieren sind oder für Urlaub im Weinland geworben wird, müssen Betriebe schon selbst die Initiative ergreifen. Das haben sie immer schon getan, aber jetzt fühlen sie sich allein gelassen und fürchten, in der wachsenden Konkurrenz anderer Länder in der Versenkung zu verschwinden. Ist das politisch gewollt?

Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken wird nun begründen müssen, warum sie ausgerechnet bei der Grünen Woche den Rotstift ansetzt und nicht bei anderen Projekten. Sie muss auch erklären, ob sie mit ideologischem Kalkül konventionellen Erzeugern eine Imagebühne nehmen will. Wenn dem so ist, nimmt sie diese auch Öko-Bauern und Öko-Winzern weg. Der Koalitionspartner, der nur zähneknirschend zustimmt, fordert auch Konzepte ein, wie sich denn Rheinland-Pfalz am Rande der Grünen Woche und als Mauerblümchen noch werbewirksam in Szene setzen kann. Dazu war nach dem Überraschungscoup von Höfken noch nicht viel zu hören.

In jedem Fall dürfte der Ton bei Gesprächen mit Landwirten und Winzern schärfer werden: Denn sie wurden völlig überrumpelt, als die Ministerin in einem Landtagsausschuss unter „Verschiedenes“ en passant und ex cathedra den Abschied von der Grünen Woche erklärte. Winzer wie Landwirte müssen sich vor den Kopf gestoßen und nicht mehr ernst genommen fühlen. Aber diese Erfahrung machen ja auch Unternehmer, wenn sie mit Höfkens Kollegin, der grünen Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, über die Energiewende reden. Keine Frage: Energiewende und Schuldenbremse sind beschlossen. Aber es sind schon Konzepte zu erwarten, die plausibel erklären, dass an richtigen Stellen gespart wird.

E-Mail: ursula.samary@rhein-zeitung.net