Archivierter Artikel vom 02.12.2013, 14:24 Uhr

RZ-Kommentar: Amazon macht den Abflug in Ryanair-Sphären

Lars Wienand zu Lieferungen per Drohne

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Amazon lässt die Drohnen-Armada zu den Kunden ausschwirren? Spannend. Aufregend. Zukunftsweisend – oder nicht? In jedem Fall ist das eine Technik, die so neu- und fremdartig ist, dass sie die Menschen fasziniert, verwundert, vielleicht auch verunsichert. Es ist auch eine Technik, die noch mit so vielen auch rechtlichen und praktischen Fragezeichen versehen ist, dass die Ankündigung gewagt ist: Vielleicht 2018 könnten die Amazon-Drohnen ausschwirren, sagt der Amazon-Boss. In einem Land, das in ständiger Terrorangst schwebt, sollen dann also zahllose unbemannte Flugobjekte durch die Gassen fliegen?

Wenn man sich ein bisschen genauer mit der Idee befasst, kann man sich schnell an Ryanair erinnert fühlen. Regelmäßig vor der Urlaubssaison bläst deren Boss Michael O’Leary neue, jedes Mal verrücktere Ideen raus – und landete damit dann auch regelmäßig in den Schlagzeilen. O'Leary liebt Oscar Wildes Ausspruch: „Das Einzige, was schlimmer ist, als das über einen geredet wird, ist das gar nicht über einen geredet wird.“

Jetzt läuft das Weihnachtsgeschäft – und da hat der Versandhändler mit Ryanair-Kostenstrukturen auch mal heiße Luft steigen lassen. Der Vorstoß ist gar nicht so weit weg von der Postillon-Satire, Amazon werde künftig per Kanonen zustellen. Bis 2018 kann viel passieren, vielleicht schwirren sogar Amazon-Copter irgendwo umher. Doch der Vorstoß ist ein eigentlich ungelegtes Ei, das der Amazon-Chef strategisch in die Welt gesetzt hat.

Und es ist Anlass daran zu erinnern, dass man Weihnachtsgeschenke auch bei sehr vielen anderen Händlern schnell und umkompliziert bekommt.

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