Kaiserslautern

Prozess um toten Familienvater: Frau und Kinder angeklagt

Die Polizei stoppt ein Auto und macht eine grausige Entdeckung: Eine Familie hat den toten Vater dabei. Nun stehen die Frau und ihre beiden Kinder in Kaiserslautern vor Gericht.

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Mit dem toten Familienvater im Auto waren eine Frau und ihre beiden erwachsenen Kinder vor gut einem Jahr in der Pfalz unterwegs, als die Polizei sie stoppte. Der Vater, der an einer Geisteskrankheit litt, war erstickt, die Familie laut Staatsanwaltschaft „völlig kopflos“. Seit Mittwoch stehen die 48-jährige Frau, ihr 27 Jahre alter Sohn und die 21-jährige Tochter wegen Totschlags durch Unterlassen vor dem Landgericht Kaiserslautern. Sie sollen den Tod des Mannes verursacht haben, indem sie nicht hinreichend darauf reagierten, dass er Nahrung verweigerte.

Bei Prozessbeginn äußerten sich die Angeklagten nach Angaben eines Gerichtssprechers nur zur Person, zudem kamen der Betreuer und die Ärzte des Vaters zu Wort. Bis einschließlich 2. Oktober sind in dem Verfahren noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Der Mann sei so schwach gewesen, dass er Speisereste nicht weghusten konnte, sagte der Gerichtssprecher zur Todesursache des Vaters.

Polizisten hatten die Leiche des 51-jährigen Vaters bei einer Kontrolle des Wagens im Kreis Kaiserslautern hinter der Rücksitzbank gefunden. Die aus dem Kreis stammende Familie, die nach damaligen Angaben der Staatsanwaltschaft zusammen in einem Haus wohnte, hatte nach der Entdeckung des Todesfalls niemanden verständigt und sich in der Nacht zu der ziellosen Fahrt entschlossen. Am Steuer hatte der Sohn gesessen.

Laut Obduktion hatte eine „fortgesetzte Mangelernährung“ zu massiver Auszehrung des 51-Jährigen geführt. Er hatte bereits 2009 einen Anwalt als Betreuer erhalten, der sich auch um die Gesundheitsfürsorge kümmern sollte. Die Familie erkannte nach Einschätzung der Ermittler zwar, wie rapide sich der Zustand des Vaters verschlechterte, sie habe aber nicht für ärztliche Hilfe gesorgt.