Archivierter Artikel vom 24.06.2015, 08:42 Uhr

Protest: Flüchtlinge kämpfen um Bleiberecht – in einer fiktiven Castingshow

Alles sieht aus wie in einer echten Castingshow: Flüchtlinge müssen vor einer Jury für ihr Bleiberecht in Norwegen kämpfen. Die Schicksale sind echt, die fiktive Show ist ein Protest gegen die Abschiebepraxis der konservativen Regierung in Oslo.

Lesezeit: 2 Minuten
Mit dem Aufruf des Videos erklären Sie sich einverstanden, dass Ihre Daten an YouTube übermittelt werden und Sie die Datenschutzerklärung gelesen haben.

Die Machart der Show ist perfide und würde wohl für einen Aufschrei sorgen, wenn sie denn real wäre: Acht Asylbewerber aus Afghanistan, Somalia oder Äthiopien treten gegen einander an. Bei einer Show, die an „Deutschland sucht den Superstar“ angelehnt ist. Die acht Flüchtlinge wollen alle eines: Asyl in Norwegen. Doch nur einer darf bleiben. „So you think you can stay“ (Du denkst also, dass Du bleiben kannst), heißt die Show.

Wie bei DSDS schickt eine Aufnahmeleiterin die Kandidaten auf die Bühne und macht ihnen Mut, bevor sie vor die Jury treten. Dort haben sie wenige Sekunden Zeit, um ihre Geschichte zu erzählen, um dafür zu werben, dass sie derjenige sein sollten, der in Norwegen bleiben darf. Die Kandidaten werden vorgeführt, verlacht und verhöhnt wie nicht selten bei DSDS. Wie der 27-jährige Amir Najjer, geflohen aus Gaza. Der Palästinenser wurde in Gaza von vermummten Männern gefoltert. Man warf ihm vor, für das israelische Militär gearbeitet zu haben.

Das Perfide: Die Geschichten der acht Flüchtlinge stimmen. Und tatsächlich will die konservative norwegische Regierung sie abschieben – oft entgegen der Empfehlungen der UN. 7800 Asylbewerber, 700 mehr als 2014, sollen auf diese diese Jahr in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden, beklagt zumindest die norwegische Organisation NOAS, die sich um das Schicksal von Flüchtlingen in dem skandinavischen Land sorgt. Mit dem Video, das sich auf Youtube rasant verbreitet hat, will NOAS auf das Schicksal von Menschen wie Amir hinweisen.

Und die Aktivisten hoffen auf einen Bruch der Minderheitsregierung aus Konservativen und der einwanderungskritischen Fortschrittspartei. 8000 Flüchtlinge aus Syrien wurden gerade ins Land gelassen – nach einem Beschluss, den die Konservativen zusammen mit fünf anderen Parteien getroffen haben, ohne die Fortschrittspartei, die strikt dagegen ist, überhaupt zu fragen. Der Riss durch die Regierungsfraktionen ist bereits klar sichtbar. Für Menschen wie Amir könnte dies eine wirkliche Chance sein, größer als die in der fiktiven Castingshow.