Archivierter Artikel vom 27.06.2013, 09:54 Uhr

Pro Snowden: Menschen die Augen geöffnet

Christian Kunst hält Edward Snowden für einen Helden

Christian Kunst
Christian Kunst
Foto: Jens Weber

Da sammeln amerikanische und britische Geheimdienste Informationen aus Millionen E-Mails, Telefongesprächen und Facebook-Einträgen – auch in Deutschland –, und trotz aller Berichte darüber scheint sich die Empörung in der Bevölkerung in Grenzen zu halten. Fast könnte man meinen, dass sich viele daran gewöhnt haben, dass ihr Leben nicht mehr privat, sondern öffentlich ist.

Man stelle sich einmal vor, Geheimdienstleute würden die Briefe verdächtiger Deutscher öffnen oder Telefonate mithören, wie wir es aus dem Film „Das Leben der Anderen“ kennen: Würde es nicht einen Aufschrei in diesem Land geben? Würde man nicht von der Rückkehr der Stasi sprechen? Ja. Und deshalb ist es gut so, dass alle Welt über den angeblichen Geheimnisverräter Edward Snowden spricht. Dieser Mann ist ein Held im Zeitalter der maschinellen Spione, die anhand von Algorithmen entscheiden, ob eine Frau in die USA einreisen darf, weil sie auf Facebook scheinbar verdächtige Worte verwendet hat.

Auch wenn Snowden skeptisch ist, ob sein Fall etwas bewirken wird: Wir brauchen dringend eine Debatte über Freiheit und Sicherheit in Zeiten des Internets und des Terrors. Ja, Überwachung ist nötig, aber in engen rechtsstaatlichen Grenzen, die derzeit nicht gewahrt werden. Und denjenigen, die Snowden selbst eine Überschreitung dieser Grenzen vorwerfen, sei gesagt: Manchmal bedarf es eines Regelbruchs, um den Menschen die Augen für eklatante Missstände zu öffnen.

E-Mail an: christian.kunst@rhein-zeitung.net