Online-Umfrage: Wie die Bundesbürger die Bedrohung durch das Coronavirus einschätzen

Von Christian Kunst
Corona-Testzentrum
Medizinisches Personal in Schutzkleidung. Foto: Uwe Anspach/dpa

Wie schätzt die Bevölkerung die Risiken des Virus ein? Darüber gibt eine wöchentliche, repräsentative Live-Online-Umfrage unter 1000 Bürgern Aufschluss, deren Ergebnisse unserer Zeitung vorliegen. An dem Projekt der Uni Erfurt beteiligen sich unter anderem das Robert Koch-Institut und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Wir haben wichtige Erkenntnisse aus der dritten Umfrage am 17. und 18. März zusammengestellt:

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  • Die Bedrohung kommt langsam bei den Bürgern an: Im Vergleich zur Vorwoche ist die emotionale Besorgtheit und die Risikowahrnehmung deutlich gestiegen, die Bevölkerung sucht häufiger nach Informationen, nimmt es weniger als einen Medienhype wahr.
  • Die besonders gefährdete Gruppe der älteren Bürger nimmt immer noch eine geringere Erkrankungswahrscheinlichkeit wahr als die jüngeren Personen. Auch werden durch die Schulschließung für 13 Prozent der Eltern nun offenbar Großeltern für die Kinderbetreuung eingesetzt. „Hier erscheint eine verstärkte Sensibilisierung notwendig. Dabei geht es nicht um die Gefährlichkeit der Erkrankung – diese nehmen sie im Vergleich zu Jüngeren als schwerwiegender wahr –, sondern tatsächlich um die Wahrscheinlichkeit der Infektion“, sagen die Wissenschaftler.
  • Die Zustimmung zu Schulschließungen ist im Vergleich zur Vorwoche um 43 Prozent gestiegen. Die Mehrheit (61 Prozent) betreut die Kinder zu Hause durch einen Elternteil. Viele sind unsicher, wie lange die Schulschließung zu Hause durchzuhalten ist. Sie sorgen sich wegen der Bewältigung der Schulaufgaben (wenn etwa gleichzeitig Eltern im Homeoffice arbeiten), fehlende Sozialkontakte der Kinder und finanzielle Einbußen durch selbst geleistete Kinderbetreuung.
  • 33 Prozent (Vorwoche: 21 Prozent) der Befragten schätzen ihre Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, als eher hoch oder sehr hoch ein, ein Drittel ist sich unsicher. Eine eher höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit nehmen Personen wahr, die jünger sind und chronisch Kranke. Dazu gehören auch jene Personen, die denken oder wissen, dass sie oder Personen in ihrem näheren Umfeld infiziert sind oder sein könnten, die das Coronavirus als nah und sich schnell ausbreitend wahrnehmen, die Internetseiten der Gesundheitsbehörden zur Informationssuche nutzen.
  • 56 Prozent der Befragten denken, dass sie nach überstandener Krankheit nicht immun sind.
  • Die vier größten Sorgen betreffen die Überlastung des Gesundheitssystems, dass kleine Firmen Konkurs anmelden müssen, dass eine Rezession droht und dass die Gesellschaft egoistischer wird. Hier lautet der Rat der Forscher: „Informationen durch die Regierung könnten Sicherheit schaffen. Berichte über solidarische Projekte regen zum Nachahmen an und können Ängste mindern.“
  • 12 Prozent kaufen Nahrungsmittel und Alltagsgegenstände wie Zahnpasta oder Klopapier vermehrt ein – vor allem aus einem Gefühl der Hilflosigkeit.
  • Eine willentliche Ansteckung (Corona-Partys) scheint eher sehr selten vorzukommen, jedoch ist besonders bei Jüngeren zu beobachten, dass sie eher davon ausgehen, an Covid-19 zu erkranken als Ältere und dies aber als weniger schwerwiegend wahrnehmen. Diese geringere wahrgenommene Ernsthaftigkeit der Erkrankung ist mit geringerem Schutzverhalten verbunden. Die Forscher raten daher, weiter energisch an die Solidarität zu appellieren.    Christian Kunst