Archivierter Artikel vom 13.03.2014, 18:31 Uhr
Bangkok

Netzgemeinde sucht vermisstes Flugzeug

Julian sucht nach dem in Südostasien vermissten Flugzeug. Seinen Heimatort in Oberbayern muss er dafür nicht verlassen. „Helfe, nach Wrackteilen zu suchen“, schreibt Julian im Onlinedienst Twitter. Sein Computer ist dafür das wichtigste Werkzeug: Ein Unternehmen, das Satellitenbilder vertreibt, hat aktuelle Aufnahmen der vermuteten Absturzstellen von Flug MH370 ins Netz gestellt. Mehr als 20 000 Quadratkilometer Meeresoberfläche sind darauf zu sehen.

An Bord eines indonesischen Aufklärungsflugzeuges.

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Blick aus einer noch aus Sowjetzeiten stammenden AN- 26 der vietnamesischen Luftwaffe, die sich an der Suche beteiligt.

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Auch die taiwanesische Luftwaffe sucht mit, hier eine P-130-Transportmaschine.

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Wünsche und Hoffnungen schreiben Passanten an eine Informationstafel auf dem Kuala Lumpur International Airport.

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Philipinische Studenten entzünden Kerzen für die Passagiere des vermissten Fluges MH370.

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Von unserem Thailand-Korrespondenten Mathias Peer

Die enormen Datenmengen detailliert auszuwerten, würde normalerweise Wochen dauern. Mithilfe der massenhaften Unterstützung von Internetnutzern aus aller Welt vergehen hingegen nur wenige Stunden, um das Gebiet nach Hinweisen auf die verschollene Malaysia-Airlines-Maschine zu untersuchen. Das Flugzeug war am Samstagmorgen auf seinem Weg von Kuala Lumpur nach Peking kurz vor der Küste Vietnams von den Radarschirmen verschwunden und ist seither nicht wieder aufgetaucht.

Zwei Millionen beteiligen sich schon an der Suche

In der Nacht auf Donnerstag zog DigitalGlobe, ein amerikanisches Unternehmen, das die Satellitenbilder geschossen hat, eine erste Bilanz der Onlinesuchaktion: Mehr als zwei Millionen Menschen beteiligten sich bisher. Sie können auf der Internetseite Auffälligkeiten an der Meeresoberfläche markieren. Sobald viele Nutzer ein interessantes Objekt erfassen, sehen sich Experten die Sache an. Noch blieb ein entscheidender Hinweis aus. Auf der Plattform sollen aber laufend neue Luftaufnahmen freigeschaltet werden.

Für die Internetnutzer, die auf der Plattform von einem Satellitenbild zum nächsten klicken, ist es eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Meistens ist nur eine blaue Fläche zu sehen. Hin und wieder hat man Glück und sichtet das eine oder andere Schiff. Von MH370 fehlt jedoch jede Spur. Die Suchaktion ist vielleicht nützlich, aber nicht besonders unterhaltsam. Julian zieht auf Twitter ein erstes Fazit: „Leider echt langweilig“, schreibt er. Die Betreiber machen unterdessen Hoffnung, an einem historischen Ereignis mitwirken zu können: „Wir hoffen zutiefst, dass die Bemühungen zu einem Durchbruch führen“, schreiben sie auf einem Blogeintrag auf ihrer Internetseite.

Die Amerikaner sind nicht die Einzigen, die auf Luftaufnahmen setzen, um das vermisste Flugzeug zu finden. Auch China hat zehn Satelliten im Einsatz, die das Gebiet absuchen. In der Nacht zum Donnerstag gab es sogar kurz die Hoffnung, dass die Chinesen auf diese Weise eine entscheidende Spur gefunden haben: Auf den Bildern, die einer der Satelliten zur Erde schickte, waren mehrere schwimmende Objekte zu sehen. Zahlreiche Rettungstrupps aus mehreren Nationen machten sich daraufhin zu der Fundstelle auf. Sie konnten aber keine Hinweise auf die Maschine finden.

Später bestätigten chinesische Behörden, dass die Objekte nichts mit der Unglücksmaschine zu tun hätten. Die chaotische Informationslage hat international Kritik an den malaysischen Ermittlern ausgelöst. Chinas Regierungschef Li Keqiang verlangte, die Suche zu verstärken. Von den 239 Menschen an Bord waren 154 chinesische Staatsbürger.

Flog die Maschine noch vier Stunden weiter?

Was mit dem Flugzeug tatsächlich geschah, wird immer rätselhafter. Das „Wall Street Journal“ berichtete unter Berufung auf US-Luftfahrt- und Geheimdienstexperten, die Maschine sei nach ihrem letzten Funkkontakt noch vier Stunden lang weitergeflogen. Das legen Daten nahe, die von dem Flugzeug automatisch übertragen wurden. Der malaysische Verkehrsminister Hussein wollte den Bericht nicht bestätigen. Wenn er sich bewahrheitet, müssten die Rettungskräfte ihren Suchradius enorm ausdehnen. In vier Flugstunden hätte die Boeing 4000 Kilometer fliegen können, bis zur pakistanischen Grenze – viel zu tun für die Netzgemeinde.

Wer im Internet bei der Suche nach der verschwundenen Boeing MH 370 helfen möchte, der kann dies unter der Adresse http://tomnod.com