Archivierter Artikel vom 18.02.2018, 19:41 Uhr
Parkland

Nach Parkland-Massaker: Schüler empören sich über Waffenlobby – tödlicher Fehler des FBI

Nach dem Massaker in Florida wenden sich Schüler wütend gegen die laschen Waffengesetze in den USA. Bildungsministerin Betsy DeVos hingegen schlägt eine komplett andere Lösung vor. Derweil gerät das FBI wegen einer Kommunikationspanne massiv unter Druck.

Die 17 Gedenkkreuze für die Opfer des Massakers an einer Schule sind am frühen Morgen vom Nebel umhüllt.

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Mindestforderung

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Mahnwache für die Opfer

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Kreuze und Blumen hängen in der Nähe der Majority Stoneman Douglas High School an einem Zaun.

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Mitglieder der Gemeinde South Florida versammelten sich im Pine Trails Park, um an die 17 gefallenen Opfer der Schießerei in Florida zu denken

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Menschen halten Kerzen während einer Mahnwache für die Opfer

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Der mutmaßliche Attentäter Nikolas Cruz während seiner Anhörung neben seiner Pflichtverteidigerin Melisa McNeill.

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US- Präsident Donald Trump und First Lady Melania besuchen unter Führung von Dr. Igor Nichiporenko die Klinik Broward Health North. In dem Krankenhaus werden einige der Verletzten des Schulmassakers behandelt.

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Zu den laschenn Waffengesetzen hat sich der US-Präsident im Zusammenhang mit dem jüngsten Massaker nicht geäußert.

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Stummer Protest

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Mit großer Empörung haben Überlebende des Massakers an einer High School im Bundesstaat Florida den Waffen-Lobbyismus in den USA angeprangert und für striktere Gesetze demonstriert. „An jeden Politiker, der Spenden von der (Waffenlobby-Organisation) NRA annimmt: Schande über euch!“, rief die Schülerin Emma Gonzales am Samstag bei einer Protestkundgebung vor Hunderten Menschen. Wegen einer Kommunikationspanne einige Wochen vor den tödlichen Schüssen geriet am Wochenende zudem die Bundespolizei FBI massiv unter Druck.

An der Demonstration in Fort Lauderdale (Florida) nahmen zahlreiche Menschen von der betroffenen Schule teil, die das Blutbad mit 17 Toten am Mittwoch überlebt hatten. Lehrer und Vertreter mehrerer Gemeinden schlossen sich an. In leidenschaftlichen Reden brachten junge Leute neben ihrer Trauer um Schulkameraden den Zorn darüber zum Ausdruck, dass sich trotz einer nicht abreißenden Serie von Bluttaten an Schulen und anderen Einrichtungen nichts an den laschen Waffengesetzen in den USA geändert habe.

„Sie sagen, dass striktere Waffengesetze nichts an Waffengewalt ändern würden -- wir nennen das Blödsinn!“, rief Emma Gonzales, während sie sich Tränen aus den Augen wischte. „Genug ist genug!“

Bewaffnet die Lehrer!

Einen gänzlich anderen Blick auf die Problematik offenbarte hingegen US-Bildungsministerin Betsy DeVos. Sie sagte auf Nachfrage in einer konservativen Radio-Talkshow, dass Bundesstaaten die Möglichkeit hätten, Lehrer an ihren Schulen zu bewaffnen. „Ich denke, das sollte Teil der breiteren, härter geführten Debatte darüber sein, wie wir solche Vorfälle in Zukunft verhindern können.“

„Sie sagen, dass ein guter Mensch mit einer Waffe einen bösen Menschen mit einer Waffe stoppen kann – wir nennen das Blödsinn!“, sagte indes Emma Gonzales bei der Kundgebung in Fort Lauderdale.

Der mutmaßliche Attentäter Nikolas Cruz während seiner Anhörung neben seiner Pflichtverteidigerin Melisa McNeill.
Der mutmaßliche Attentäter Nikolas Cruz während seiner Anhörung neben seiner Pflichtverteidigerin Melisa McNeill.
Am Mittwoch hatte der 19-jährige Nikolas Cruz in der Marjorie Stoneman Douglas High School in Parkland – etwa 50 Kilometer von Fort Lauderdale entfernt – mit einer halbautomatischen Waffe das Feuer eröffnet, nachdem er kurz vor Schulschluss einen Feueralarm ausgelöst hatte. Seine Opfer kamen wegen des Alarms arglos aus den Klassenzimmern, als er um sich schoss. 17 Menschen starben. Der Täter ließ sich danach widerstandslos festnehmen. Medien berichteten unter Berufung auf das FBI, er habe seine Waffe legal erworben.

FBI machte einen furchtbaren Fehler

Das FBI musste inzwischen auch zugeben, hinsichtlich des späteren Todesschützen frühzeitig gewarnt worden zu sein. Ein Anrufer hatte auf dessen Obsession für Waffen hingewiesen – und darauf, dass Cruz womöglich einen Überfall auf eine Schule plane, wie FBI-Chef Christopher Wray vor dem Wochenende einräumte. Weil der Anruf des Zeugen vom 5. Januar aber nicht weitergegeben wurde, erreichte er die Polizei vor Ort nicht. Justizminister Jeff Sessions ordnete eine Untersuchung der Polizeiarbeit vor den tödlichen Schüssen an: „Es ist jetzt klar, dass es Warnsignale gegeben hat und dass Hinweisen an das FBI nicht nachgegangen wurde“, sagte er. Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, forderte den Rücktritt von FBI-Chef Wray.

US-Präsident Donald Trump hat bislang jede Äußerung zu den Waffengesetzen vermieden. Stattdessen kritisierte er am Samstag (Ortszeit) das FBI. Es habe zu viele Ressourcen auf den Versuch verwendet, Verbindungen seines Wahlkampfteams mit Russland zu beweisen – und deshalb den Tipp zu Cruz verpasst. „Geht zurück zu den Grundlagen und macht uns alle stolz!“, schrieb er auf Twitter.

Politiker aus beiden großen politischen Lagern kritisierten die Bundespolizei und forderten Aufklärung. „Es ist unentschuldbar, dass das FBI den vorgeschriebenen Abläufen nicht gefolgt ist“, sagte der republikanische Senator Marco Rubio aus Florida der Zeitung „USA Today“. Ted Deutch, demokratischer Abgeordneter aus Florida, sagte: „Wir brauchen Antworten vom FBI, um sicherzustellen, dass, wenn Zeugen Hinweise geben, das FBI ihnen nachgehen wird.“

Derweil tauchten am Sonntag – in Anspielung auf die für sieben Oscars nominierte Tragikomödie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ – drei anklagende Werbetafeln auf Fahrzeugen vor Rubios Büro in Miami (Florida) auf. „In der Schule abgeschlachtet“, „Und noch immer keine Gesetze zur Waffenkontrolle“, „Wie kommt's, Marco Rubio?“ war auf den rosaroten Tableaus zu lesen. In dem Film spielt Frances McDormand eine Mutter, die nach dem Mord an ihrer Tochter und mangelnder Aufklärung gegen die örtliche Polizei vorgeht. „Im Sterben vergewaltigt“, „Und noch immer keine Festnahmen?“ und „Wie kommt's Chief Willoughby?“ ist auf den Tafeln im Film zu lesen.

Was kostet ein Senator?

Der Republikaner Rubio, der Trump 2016 im Vorwahl-Rennen um die US-Präsidentschaft unterlegen war, hält eine schärfere Kontrolle von Waffenverkäufen für ineffektiv. Bis vergangenen Oktober erhielt er laut „New York Times“ 3,3 Millionen Dollar (2,7 Millionen Euro) von der Waffen-Lobbyorganisation NRA. Rubio streiche mit am meisten Spenden von der NRA ein, teilte die Gruppe Avaaz mit, die hinter der Aktion steckt.

Von Bastian Benrath (dpa)