Archivierter Artikel vom 13.07.2015, 20:04 Uhr
Berlin

LeFloid und Merkel: Einmal überraschte die Kanzlerin den YouTuber

Das mit Spannung erwartete Interview von YouTuber LeFloid alias Florian Mundt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ist da. Und zwischenzeitlich erklärt sie ihm das Internet.

Lesezeit: 4 Minuten

Von unserem Redakteur Lars Wienand

„Ich habe sogar schon mal bei Google Hangout gemacht“, sagt die Bundeskanzlerin LeFloid, nachdem er ihr wenig Affinität zu Technik und Darstellung im Netz unterstellt hat. Das Interview ist da schon fast vorüber, und der Fragesteller wirkt zum ersten Mal richtig überrascht.

Merkel legt auch nach. Das sei ein „Riesending“ gewesen, weil in der Öffentlichkeit die medienrechtliche Frage nach einer Rundfunklizenz diskutiert worden sei. „Stellen Sie sich mal vor, ich mache jetzt dauernd meinen eigenen Rundfunk. Da fehlt der kritische Frager.“

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LeFloid sieht sich offenbar in der Rolle: „Ich habe Zeit.“ An der Stelle ist dann für ihn auch die Gelegenheit zu versichern, dass er für das Interview nicht bezahlt wurde und die Fragen der Kanzlerin auch nicht bekannt waren. Unter dem Hashtag #Netzfragtmerkel hatte er zuvor aufgerufen, Fragen vorzuschlagen, und hatte auch kritische Kommentare bekommen.

Seine Fragen in dem mit Verspätung veröffentlichten Interview streiften dann viele Themen, die aber nicht vertieft wurden, LeFloid bohrte wenig nach. Er verhaspelt sich beim Versuch, die Kanzlerin mit einer Einschätzung von Edward Snowden in die Enge zu treiben. „Es [Whistleblower zu sein] ist logischerweise kein Job für Sie, ist auch in Ihrer Stellung als Bundeskanzlerin eher schwierig.“ Er macht es ihr auch leicht, zur NSA-Spähaffäre zu antworten. Da gebe es keinen Unterschied zwischen der privaten Merkel und der Kanzlerin, sagt sie. „Ich weiß halt mehr über die Frage, wie müssen wir die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger schützen und komme deshalb aus dem Wissen heraus, was notwendig ist, was wir an Anschlägen schion verhindern konnten, zu der Überzeugung, dass die Zusammenarbeit notwendig ist. Selbst wenn wir unterschiedliche Meinungen haben, wie viel Daten man sammeln muss.“

Er stellt ihr auch die sehr oft vorgeschlagene Frage zur Gleichstellung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Partern, sie antwortet, sie sei gegen Diskriminierung. Zugleich sagt sie: “Für mich bedeutet Ehe das Zusammenleben von Mann und Frau”. So ließ dann eine Kritik an dem Interview nicht lange auf sich warten:

In einem Blogpost kommentierte Netzpolitik-Chefredakteur Markus Beckedahl weiter: „Sehr cool für Angela Merkel. Im Kanzleramt dürften die Korken knallen.“ Jan Böhmermann sah in dem Auftritt eine Bestätigung für den „herkömmlichen“ Journalismus:

In der Tat wirkt LeFloid zwar nicht übermäßig nervös dafür, dass er wenig Routine in kritischen Interviews mit darauf bestens geschulten Gesprächspartnern hat. Auch Ehrfurcht legt er nicht an den Tag, fällt seiner Interview-Partnerin auch mal ins Wort. Zugleich bestätigt er sie aber laufend mit Äußerungen wie “selbstverständlich„, “absolut„, “na klar„ oder “natürlich“. Alles eine Frage der Erwartungen? In der Tat dürfte es so sein, dass beide profitiert haben – LeFloid von der breiten Berichterstattung und die Bundeskanzlerin von der Wahrnehmung in der jungen YouTube-Gemeinde und der Werbung für den Bürgerdialog der Bundesregierung „Gut leben in Deutschland“.

Der Merkel-Podcast „Die Kanzlerin direkt“ erreicht auf YouTube regelmäßig zwischen 300 und 3000 Klicks, das hatte LeFloids Video innerhalb der ersten Minute. Und ein anderer YouTuber, mit 250.000 Abonnenten etwa ein Zehntel der Zahl von LeFloid, aber 20 Mal so viel wie die Bundesregierung, stellte Merkel eine gute Note aus:

Alexander Böhm, als „AlexiBexi“ fast 700.000 Abonnenten stark, zog eine gemischte Bilanz:

Simon Wifels, besser als „Unge“ und mit seinen Kanälen ungespielt und ungefilmt und einer Longboard-Tour durch Deutschland bekannt geworden, lobt dagegen LeFloid:

Und LeFloids Publikum feiert die Emanzipierung der YouTuber und ist zum großen Teil einfach nur begeistert, dass er die Kanzlerin interviewen konnte. Viele seiner Zuschauer dürften sich auch noch nicht sonderlich lange mit Kanzlerinnen-Fragerunden beschäftigt haben. Und vielleicht war der Unterschied ja auch doch nicht so groß: