Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ist der letzte Stimmungstest vor der Bundestagswahl im September
Landtagswahl mit zwei Gewinnern?: Haseloffs Sieg stärkt auch Laschet
Darauf einen Schluck Wasser: Die CDU von Reiner Haseloff bleibt nicht nur stärkste Kraft im Magdeburger Landtag, sondern sie legt sogar massiv zu – und hält die AfD überraschend deutlich auf Abstand.
dpa

Der Sonntag war der erste so richtig gute Abend für Armin Laschet. Der erste Moment des Durchatmens, seit sich der NRW-Ministerpräsident und CDU-Chef im Machtkampf um die Unionskanzlerkandidatur gegen den CSU-Vorsitzenden Markus Söder durchgesetzt hat. Denn aus Magdeburg kamen um 18 Uhr gute Nachrichten: Der CDU-Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, schaffte es, die Partei in seinem Bundesland erneut auf den ersten Platz zu führen.

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Darauf einen Schluck Wasser: Die CDU von Reiner Haseloff bleibt nicht nur stärkste Kraft im Magdeburger Landtag, sondern sie legt sogar massiv zu – und hält die AfD überraschend deutlich auf Abstand.
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Wichtiger noch: Es gelang ihm, die AfD deutlich in Schach zu halten. Seine klare Absage an jedwede Zusammenarbeit mit der AfD kam an, das Image des Landesvaters konnte er ebenfalls gut für sich nutzen.

Für Laschet stand viel auf dem Spiel. Er geriet in den vergangenen Tagen wegen des Umgangs mit rechts unter Druck. Vor den Sitzungen von Präsidium und Vorstand am Montag forderten einige CDU-Politiker einen Unvereinbarkeitsbeschluss der sogenannten Werteunion und der CDU-Mitgliedschaft. Hintergrund ist die Nähe des neuen Werteunionsvorsitzenden Max Otte zur AfD.

Laschet musste sich des Vorwurfs erwehren, die Brandmauer nach rechts nicht halten zu können. Die Wahl in Sachsen-Anhalt war deswegen heikel. Wäre die AfD stärkste Kraft geworden, hätte in der CDU Sachsen-Anhalt womöglich eine Diskussion über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit den Rechten eingesetzt. Die SPD hat die vermeintlich offene rechte Flanke der CDU bereits als Angriffsziel erkannt und dem Unionskandidaten in den vergangenen Tagen verstärkt zugesetzt.

Doch am Sonntag konnte man Positives verkünden im Konrad-Adenauer-Haus. „Ein starker Kandidat, ein klares Profil der Mitte und Geschlossenheit, das war ausschlaggebend. Sachsen-Anhalt bleibt stabil, und die CDU hat diese Wahl deutlich gewonnen. Heute ist ein guter Tag“, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak in Berlin sichtlich erleichtert.

„Ein starker Kandidat, ein klares Profil der Mitte und Geschlossenheit, das war ausschlaggebend.“

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak

Und so konnte Laschet aufatmen. Denn auch die aktuellen Umfragen sehen besser aus. Laut Insa würden derzeit 26 Prozent der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl CDU oder CSU wählen – das ist 1 Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche. Die Grünen verlieren dagegen einen Punkt und kommen auf 21 Prozent. Danach befragt, wen die Menschen bei einer Direktwahl ins Kanzleramt wählen würden, liegt erstmals SPD-Kandidat Olaf Scholz vorn. Er gewinnt einen Punkt und kommt auf 19 Prozent.

Doch seine SPD fuhr in Sachsen-Anhalt ein schlechtes Ergebnis ein. Der wirkliche Sprung nach vorn fiel aus – nun hofft man auf einen Platz in der Landesregierung. Das war das erklärte Ziel. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil machte sich am Abend Mut. Es sei ein Landtagswahlergebnis, betonte er und hob die guten persönlichen Werte von Scholz hervor. Im Bund wird man in den nächsten Wochen vor allem auf den Scholz-Bonus setzen. Und hoffen.

Die FDP im Bund konnte den Ausgang als ermutigendes Ergebnis werten – man hat den Sprung in den Landtag deutlich geschafft. Die Linke ließ Federn – und das im Osten. Das Thema der Ungleichheit zwischen Ost und West zog in der Pandemie nicht. Die Partei kommt trotz neuer Spitze nicht voran – und wird sich fragen müssen, was bei den Wählern noch ziehen könnte, wenn die Ergebnisse schon im Osten nicht überzeugend sind. Der Linksfraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, sagte sichtlich enttäuscht. „Das ist zweifelsfrei eine Niederlage.“

Die AfD hatte sich ebenfalls mehr erhofft – der erste Platz schien in Reichweite. Daraus wurde nichts. Dennoch sicherte sich die Rechtsaußenpartei einen stabilen zweiten Platz im Land – trotz oder wegen der Nähe der Landespartei zum offiziell aufgelösten rechten „Flügel“. Der Bundesvorsitzende Tino Chrupalla sprach am Sonntag von einem „sehr guten Ergebnis“.

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