Archivierter Artikel vom 03.02.2015, 07:00 Uhr
Berlin/Brüssel

Konflikt mit Athen: Berlin will Griechenland im Euro halten

Trotz der Konfrontation mit Athen bereiten die Euro-Länder eine für alle Seiten akzeptable Lösung vor, wie Griechenland im Euro gehalten werden kann. Demnach wird ein Szenario diskutiert, mit dem Griechenland gesichtswahrend aus der Konfrontation herauskommt, heißt es in deutschen Regierungskreisen.

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Berlin will Griechenland im Euro halten: Weil der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras seinen Wählern versprochen hat, die Zusammenarbeit mit der Troika zu beenden, will die Bundesregierung ein neues Gremium finden, das mit Athen über die Reformen verhandelt.
Berlin will Griechenland im Euro halten: Weil der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras seinen Wählern versprochen hat, die Zusammenarbeit mit der Troika zu beenden, will die Bundesregierung ein neues Gremium finden, das mit Athen über die Reformen verhandelt.
Foto: dpa

Von unseren Berliner Korrespondenten Michael Bröcker und Birgit Marschall

So soll das Land deutlich mehr Zeit für die Rückzahlung der Hilfskredite bekommen und zugleich stark von dem 315-Milliarden-Euro-Investitionspaket profitieren, das EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in Kürze auf den Weg bringen will. Im Gegenzug soll sich Griechenland verpflichten, die Reformen bei der staatlichen Verwaltung und den Lohnkürzungen weitgehend beizubehalten.

Weil der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras seinen Wählern versprochen hat, die Zusammenarbeit mit der Troika zu beenden, will die Bundesregierung ein neues Gremium finden, das mit Athen über die Reformen verhandelt. An dessen Spitze soll der Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, stehen. Mitglieder des IWF könnten vorab eng in die Verhandlungen einbezogen werden, ohne offiziell Mitglied des Teams zu bleiben, heißt es weiter.

Nach außen hin demonstrierte die Bundesregierung indes Härte. Der „Rauswurf“ der Sparkontrolleure aus Griechenland widerspreche den europäischen Verträgen und sei daher nicht möglich, wenn Griechenland im Euro bleiben will, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die Überwachung der Spar- und Reformzusagen Griechenlands durch die Troika aus Vertretern der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds könne nicht einseitig geändert werden, sagte er. Tsipras bemühte sich zwar um verbale Abrüstung, wiederholte die Forderung nach dem Ende der Troika-Kontrolle aber bei seinem Antrittsbesuch auf Zypern.

In der Unionsfraktion formiert sich Widerstand gegen die Aufweichung von Abmachungen. „Es wäre ein fatales Signal für den Rest Europas, wenn wir jetzt ausgehend von Griechenland Vereinbarungen über den Haufen werfen würden“, warnte der Chefhaushälter der Unionsfraktion, Norbert Barthle. „Dann wüssten die Leute überall: Wenn ihnen das Geld ausgeht, dann müssen sie nur Links- oder Rechtspopulisten wählen, und es kommt wieder zurück.“ Der Rest Europas sei nicht dazu da, Griechenland Schulden abzunehmen.