Archivierter Artikel vom 02.07.2019, 22:29 Uhr

Kommentar zur Lübcke-Talkshow: Solche wichtigen Debatten gehören ins Parlament

Der Aufstieg von Donald Trump vom TV-Star zum US-Präsidenten sollte eigentlich für alle Medienmacher eine deutliche Warnung sein. In den USA ist die Idee, dass sich die demokratische Debatte teilweise in TV-Talkshows und politische Sendungen verlagern ließe, längst kolossal gescheitert.

RZ-Redakteur Christian Kunst
RZ-Redakteur Christian Kunst
Foto: Jens Weber

Christian Kunst zu Uwe Junges Auftritt Talkshow-Auftritt

Für Politiker wie Trump sind Fernsehsender nur Plattformen für ihre Propaganda, keine Diskussionsforen. Und weil er dort immer wieder Widerspruch erntete, schuf er sich eine Parallelwelt auf Twitter. Dort lässt sich meist unwidersprochen in der eigenen Echokammer hetzen und polemisieren. Trumps Gegner attackieren ihn in ihren eigenen Echokammern. So ist eine tiefe gesellschaftliche Spaltung entstanden, zwei Welten mit eigenen Realitäten und Wahrheiten, die sich sprachlos gegenüberstehen.

In Deutschland ist man auf dem besten Weg, den gleichen Fehler zu machen. Das liegt auch daran, dass TV-Journalisten wie Frank Plasberg wohl aus einer Form der Selbstüberschätzung glauben, gewiefte AfD-Politiker wie Uwe Junge in einer Talkshow stellen zu können. Doch dies kann nur misslingen, weil ein zwingender Faktencheck immer zu spät kommt, weil im Fernsehen viele Halbwahrheiten oft unwidersprochen in der Welt bleiben. Debatten über so schockierende Taten wie den Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke brauchen die Chance zur Reflexion. Sie gehören nicht ins Fernsehen, sondern dahin, wo Politiker über solche wichtigen Angelegenheiten reden: ins Parlament.

E-Mail: christian.kunst@rhein-zeitung.net