Archivierter Artikel vom 08.03.2019, 06:00 Uhr

Kommentar zum Weltfrauentag: Der Mittelstand macht vor, wie man Frauen fördert

Eine Frauenquote ist ein Zeichen von Hilfslosigkeit. Haben Frauen das wirklich nötig? Nein! Was ihnen aber tatsächlich fehlt, sind Selbstvertrauen, Selbstmarketing und Durchhaltevermögen. In Führungspositionen kommen nicht die Braven, sondern die Bösen. Die Unbequemen, Streitbaren und Durchsetzungsfähigen.

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Nachrichtenchefin Birgit Pielen
Nachrichtenchefin Birgit Pielen
Foto: Jens Weber

Birgit Pielen zur Debatte um eine Frauenquote

Viele Frauen sind auch noch im Jahr 2019 einem Prinzessinnendenken verhaftet: Sie erwarten, dass der Chef auf einem weißen Pferd angeritten kommt und sie auf Knien bittet, für immer und ewig eine Führungsrolle zu übernehmen.

Dieses Märchen geht im Berufsalltag nicht in Erfüllung. Das liegt nicht an der mangelnden Qualifikation von Frauen, sondern daran, dass sie die inoffiziellen Spielregeln in männlich geprägten Machtstrukturen und Beförderungsmechanismen nicht kennen. Schon jetzt erreichen junge Frauen im Schnitt höhere Bildungsabschlüsse als Männer. In Rheinland-Pfalz haben 41 Prozent das Abitur in der Tasche, wenn sie die Schule verlassen. Bei jungen Männern sind es nur 31 Prozent. Dieses hohe weibliche Potenzial versickert leider in der beruflichen Pipeline – auch weil es an gezielter Förderung und an Vorbildern fehlt.

Dabei macht der Mittelstand vor, wie es gehen kann. Hier ist die Führungsriege weiblicher als in den DAX-Konzernen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat in einer Untersuchung festgestellt: Während bei den DAX-Konzernen nur 15 Prozent der Vorstandsposten mit einer Frau besetzt sind, im MDAX nur 8 Prozent und im SDAX nur 5 Prozent, schaffen es die Mittelständler auf 17,1 Prozent – ohne gesetzliche Quote, ohne große Schlagzeilen. Ganz selbstverständlich werden Frauen, Töchter und Enkelinnen in Familienunternehmen an die Verantwortung herangeführt. Sie sind starke Vorbilder – und müssen als Mutmacher viel mehr ins Rampenlicht.