Archivierter Artikel vom 30.05.2016, 18:25 Uhr

Kommentar zum Milchgipfel: Die Lösung wurde wieder nur vertagt

Bis sich eine Branche selbst eine brutale Schrumpfkur empfiehlt, muss in Deutschland wirklich viel passieren. Doch genau an diesem verzweifelten Punkt befinden sich die Milchbauern mittlerweile. Bei Supermarktpreisen von deutlich unter 50 Cent je Liter Frischmilch ist an Profit nicht mehr zu denken. Vor allem kleine Betriebe können ihre Kosten nicht mehr decken, wenn sie von den Molkereien teils weniger als 20 Cent je Liter erhalten. 35 Cent wären das Minimum heißt es.

Jan Drebes kommentiert
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Jan Drebes 
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Milchgipfel

Doch die Molkereien können ihren Bauern nicht mehr Geld zahlen, wenn sie die Milchmassen am Markt nicht loswerden. Lange übten sich also Bauern, Handel und Politik im beliebten Schwarze-Peter-Spiel, traten auf der Stelle, verloren wertvolle Zeit. Der von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) einberufene „Milchgipfel“ sollte dem nun ein Ende setzen.

Doch weit gefehlt: Statt eine umfassende Strategie vorzustellen, haben die Teilnehmer des Krisentreffens (übrigens ohne die Milchbauern) eine Lösung des Dilemmas wieder nur in die Zukunft verschoben. Denn die von Schmidt versprochenen „100 Millionen Euro plus X“ bringen jedem Betrieb nur eine durchschnittliche Soforthilfe von schlappen 1300 Euro. Natürlich ist das besser als nichts. Ihre massiven Geldsorgen können die Milchhöfe damit aber auch nicht in Luft auflösen. Und so macht die erneute Geldspritze von 100 Millionen Euro die Lage mittelfristig sogar noch schlimmer.

In den vergangenen Monaten wurde deutlich, dass nach Gewinn strebende Menschen sich kaum freiwillig auf einen gemeinsamen Schrumpfkurs verpflichten können, solange einzelne Ausreißer vom Gegenteil profitieren. Tatsächlich bedarf es also einiger Vorgaben und Anreize aus der Branche und der Politik, um den Teufelskreis des gegenwärtigen Dilemmas zu durchbrechen. Belohnt und gefördert dürfen nur diejenigen werden, die ihre Produktion zurückfahren, um das Überangebot am Markt abzuschmelzen. 100 Millionen Euro reichen dafür aber bei weitem nicht aus.

Und klar bleibt auch: Ein weiteres Höfesterben ist unvermeidbar, weil die Effizienz jedes einzelnen Betriebs immer weiter steigt und der Weltmarkt für Milch mehr als gesättigt ist. Daran wird auch Schmidts nächster Gipfel nichts ändern.