Archivierter Artikel vom 04.02.2016, 20:11 Uhr

Kommentar zum Interview mit Frauke Petry von Chefredakteur Christian Lindner

AfD-Aktivisten beschimpfen ihnen nicht genehme Medien gerne als „Lügenpresse“. AfD-Vorsitzende Frauke Petry und Uwe Junge, Spitzenkandidat der AfD in Rheinland-Pfalz, sind schlau und wissen: Der Begriff ist hochgiftig, auch für seine Anwender. Die Nazis haben ihn als Kampfbegriff geprägt, heute hetzt Pegida damit.

Chefredakteur Christian Lindner
Chefredakteur Christian Lindner

Chefredakteur Christian Lindner kommentiert

Nein, keine gute Wortwahl für Spitzenkandidaten der AfD, die sich gutbürgerlich geben und auch in der Mitte der Gesellschaft nach Wählern fischen. Petry und Junge sprechen deshalb lieber von „Pinocchio-Presse“ – auch damit perfide behauptend, „die Medien“ würden lügen und die Wahrheit unterdrücken.

Jetzt aber hat Frauke Petry selbst gezeigt, wie sie die Wahrheit beugt. Sie reist durch die Republik, bietet den von ihr ansonsten so gering geschätzten Zeitungen Interviews an, fordert dann auch im Gespräch mit uns: Unser Staat soll zur Abwehr von Flüchtlingen Grenzsicherungsanlagen zwischen Deutschland und Österreich bauen und diese im äußersten Fall auch mit Waffen verteidigen. Als Petrys Forderung nach einem ihrer Interviews bundesweit Empörung auslöst, agiert sie exakt so, wie die AfD es Altparteien und Lügenpresse vorwirft: Sie will vertuschen und unterdrücken, was sie gesagt hat – indem sie diese Passage komplett umschreibt.

Wir dokumentieren diesen Täuschungsversuch hier. Weil wir der Wahrheit verpflichtet sind und uns nicht manipulieren lassen. Schon gar nicht von Politikern mit einer bürgerlichen Maske, hinter der sich ein ganz anderes Gesicht verbirgt.