Archivierter Artikel vom 16.04.2020, 19:18 Uhr

Kommentar zu Krediten für die Gastronomiebranche: Haumanns Idee setzt die richtigen Anreize

Die Gastronomiebranche ist neben dem Staat der größte Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz. Zur Hochsaison leben 150.000 Menschen vom Bewirten und Beherbergen, sind Gastgeber, stellen für Gäste Ersatzwohnzimmer oder sind Ersatzfamilie. Die Ungewissheit, wann sie wieder öffnen, kann ihnen aktuell niemand nehmen. Man kann ihnen allerdings helfen. Gereon Haumann, Chef des Gastronomieverbandes Dehoga, fordert: Tilgungen von Corona-Krediten sollen nicht besteuert werden. Das ist sinnvoll und setzt die richtigen Anreize.

Von Carsten Zillmann
Carsten Zillmann
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Foto: Jens Weber

Aktuell gibt es einen Trend: Wer unter Corona wirtschaftlich leidet, schreit nach dem Staat: „Geld her!“ Kurioserweise handelt es sich häufig um Gruppen, die sonst gern möglichst wenig mit just diesem Staat zu tun haben möchten. Gastronomen gehören dazu. Denn das Geld, das nun einige laut fordern und andere mit der „Bazooka“ verballern möchten, wird ja von ihnen erwirtschaftet. Haumann sagt: „Ich kann damit leben, wenn es keine Direkthilfen des Landes gibt. Ich will aber keinen Nachteil gegenüber den Nachbarn.“

Während Haumann manchmal übers Ziel hinausschießt – er hatte gar völlige Steuerfreiheit für seine Branche gefordert –, liegt er hier richtig. Die Unternehmen finanzieren ihre Ausfälle per Kredit. Das spart Steuergeld. Wenn sie anschließend wieder gute Umsätze erzielen, dürfen sie die Belastung abtragen, ohne dass der Staat zugreift. Er hat schließlich seine Zuschüsse gespart. Das klingt nicht nur nach einem fairen Deal, sondern verhindert auch Mitnahmeeffekte. Zuschüsse würden alle Wirte bekommen – auch diejenigen, deren Betrieb schon vor Corona in Schieflage war. Das Kreditmodell wagen nur Gastgeber, die an den eigenen Erfolg glauben. So funktioniert die Marktwirtschaft. Wichtig ist nun, dass auch die Banken, die 2008 mit reichlich Staatsgeld gerettet wurden, endlich Kredite vergeben.