Archivierter Artikel vom 20.07.2016, 19:38 Uhr

Kommentar: Was bleibt ist auch Mitleid

Von Felix Krull bis zum Hauptmann von Köpenick – die Menschen mögen vorgegaukelte Identitäten in Literatur, Kino und Theater. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz ging gern ins Theater.

Gregor Mayntz
Gregor Mayntz
Foto: RZ-Archiv

Ob sie da die Idee bekam, in Essen nicht einfach nur mit Fachhochschulreife und Moderatorenausbildung Lokalpolitik zu machen, sondern sich eine gefälschte Qualifikation zuzulegen und als scheinbar erfahrene Juristin in die große Politik zu ziehen?

Wie erst muss der Druck auf Hinz gewirkt haben? Es war zu fühlen, dass es nach dem Eingeständnis der Lüge nur Stunden dauern würde, bis sie bereit sein würde, nicht erst 2017 auf eine erneute Kandidatur zu verzichten, sondern so schnell wie möglich das Feld zu räumen. So ungeheuerlich ihr Vorgehen ist, so sehr sich Kollegen darüber ärgern, wie sehr sie so viele getäuscht hat und mit ihrer eigenen verlorenen Ehre auch zu einem Ansehensverlust des Parlamentes beigetragen hat: An einem solchen Tag entsteht auch ein ganz einfaches Gefühl – Mitleid.

E-Mail: gregor.mayntz@rhein-zeitung.net