Archivierter Artikel vom 29.04.2020, 18:51 Uhr
Rheinland-Pfalz

Kommentar von RZ-Chefredakteur Peter Burger: Bleibt zu Hause – Urlaub in Rheinland-Pfalz!

,,Es gibt 194 Länder, ich will jedes davon sehen“, trällert Mark Forster unverdrossen. Zugegeben: Auch ich verreise für mein Leben gern! Für uns Deutsche, einst Reiseweltmeister, die inzwischen von Chinesen und Amerikanern übertroffen werden, ist diese erneuerte Reisewarnung der Bundesregierung für alle Welt fast noch schlimmer als die Kontaktsperre daheim. Und dennoch ist Land in Sicht: Sieh, das Gute liegt so nah!

Von Peter Burger
Chefredakteur Peter Burger
Chefredakteur Peter Burger
Foto: Jens Weber

Chefredakteur Peter Burger zum Urlaub 2020

Zehn Millionen Gäste können nicht irren: So viele nämlich kommen jedes Jahr nach Rheinland-Pfalz. Bisher! Im Schnitt buchen sie zweieinhalb Übernachtungen, bringen 7 Milliarden Euro Umsatz und sichern damit 150.000 Arbeitsplätze in der „weißen Industrie“. Bisher! Denn nach Corona wird auch das Gastland Rheinland-Pfalz vielleicht ein anderes sein.

Tourismus ist eine manchmal unterschätzte Schlüsselbranche unseres Landes. Sie ist viel mehr als Hotellerie und Gastronomie, mehr als pittoreske Fachwerkstädtchen, als Reben, Ritter, Rheinromantik, Maare, Seen, Wälder und Felder, als Traumpfade, Schiffstouren, Kneippbecken, Weinfeste und Wurstspezialitäten.

Tourismus in Rheinland-Pfalz – das ist Kultur, das ist Lebensart, das ist Heimatliebe und Brauchtum. Das ist Weinbau in einer von ihm geprägten Kulturlandschaft über zig Jahrhunderte hinweg: Leidet der Tourismus, leidet auch der Weinbau. Das hinterlässt Spuren – auch im Landschaftsbild. Die Spuren in den nachgelagerten Wirtschaftszweigen des Tourismus wie dem Einzelhandel sind heute noch kaum zu erahnen. Doch alle werden davon betroffen sein, wenn die „Touris“ ausbleiben: der Bäcker, der Metzger, der Taxifahrer, der Tankwart, der Vermieter von Gästezimmern und Pedelecs. Vergessen das Geschimpfe, wenn Niederländer in ihren rollenden Eigentumswohnungen vermeintlich das Wasser noch mitbringen. Wenn sie denn bloß kommen dürften!

Was zehn Millionen Besucher, davon übrigens acht Millionen aus Deutschland, an Rhein und Mosel suchen, ist vielfach das, wonach auch wir in aller Welt streben: Gastlichkeit und Herzlichkeit, traumhafte Landschaften, grandiose Wanderwege, Wasser, Stille, Natur, zeitgemäße Unterkünfte, Kinderfreundlichkeit, exzellentes, regionaltypisches Essen, hervorragende Weine (auch Biere), die sich mit den weltbesten messen können. Und das alles vor der Haustür! Was also, um Himmels Willen, spricht in diesem Jahr gegen einen Urlaub in Rheinland-Pfalz?

Das ist auch in Tagestouren gut leistbar, ob per Rad, per Bahn oder mit dem Pkw. Hoffentlich heißt es bald zudem „Leinen los“ für die „Weiße Flotte“. Und die Hoffnung vieler bleibt, dass Gastronomie und Hotellerie in nicht allzu ferner Zukunft wieder öffnen dürfen – wenn sicherlich auch unter entsprechenden Auflagen.

#stayathome (Bleib zu Hause!). Dieses Schlagwort sollten wir auch im „Urlaubsjahr“ 2020 beherzigen. Zeigen wir Solidarität mit den vom Tourismus und Weinbau hierzulande abhängigen Menschen, die für all das stehen, was unsere einzigartige Landschaft zwischen Rhein und Mosel, Nahe und Sieg, Westerwald, Eifel, Hunsrück und Taunus ausmacht. Und um das andere uns beneiden. Zu Recht!