Archivierter Artikel vom 27.08.2020, 07:00 Uhr

Kommentar von Chefredakteur Peter Burger: Mittelrheinbrücke wird Lackmustest einer Koalition

Sie taucht auf wie das Ungeheuer von Loch Ness. Die neuerliche Diskussion um den Bau einer Mittelrheinbrücke hat jetzt schon wieder das Zeug dazu, Lackmustest für mögliche Koalitionsverhandlungen in Rheinland-Pfalz zu werden – jedenfalls unter grüner Beteiligung. Mit ihrer klaren Festlegung im Interview mit unserer Zeitung, es gebe zu viele Brückenpläne im Land und deshalb sehe sie auch keine Brücke am Mittelrhein, hat die grüne Spitzenkandidatin Anne Spiegel heftige Proteste ebenda ausgelöst.

Von Peter Burger
Chefredakteur Peter Burger
Chefredakteur Peter Burger
Foto: Jens Weber

Dabei hat sich die Haltung der Grünen in der für die Entwicklung dieses eher bronzenen denn goldenen Landstrichs beidseits des Rheins so immens wichtigen Frage bis dato nicht geändert. Das seit Jahrzehnten schwelende Thema zu einem Rheinübergang mitten in einer 84 Kilometer langen Diaspora zwischen der dauersanierten Koblenzer Südbrücke und der dauersanierten Schiersteiner Brücke birgt auch Sprengstoff – für alle anderen Parteien, die sich heute noch und wieder zu Recht zum Anwalt eines solchen Bauwerks machen: Wie ehedem bereits die SPD müsste im Fall der Fälle auch die CDU nicht nur die Lippen spitzen, sondern pfeifen, sollte es zu einem Pakt mit den Grünen kommen. Heißt: Ein engagiertes Eintreten für den Brückenbau heute, dem ein Einknicken oder erneutes verfahrenstechnisches Auf-die-lange-Bank-Schieben folgen würde, haben die Menschen am Mittelrhein nicht verdient.

Mit Inbrunst hoffen sie auf die Initialzündung einer Bundesgartenschau 2029 als vielleicht letzte Chance, das Tal auf Dauer zu retten und tatsächlich zukunftsfit zu machen. Dazu gehört auch eine Infrastruktur, die beide inzwischen durchaus unterschiedlich entwickelten Rheinseiten und ihr Hinterland mehr als bisher miteinander verbindet. Mit Fähren, Wassertaxis und weiteren Seilbahnen allein wird das nicht zu schaffen sein. Das sind futuristisch anmutende oder romantisierende Vorstellungen, die den Bedürfnissen der Rheinanlieger und der Touristen nicht genügend gerecht werden – zu allen Jahreszeiten.

Die Mosel hat über Jahrzehnte gezeigt, wie man’s (im Kleinen) macht: Ortsbrücken (nicht nur für den Weinbau) verbinden dort Gemeinden und Regionen, schaffen gemeinsame Identität, ohne das Landschaftsbild nachhaltig zu beeinträchtigen. 52 Straßenbrücken über den deutschen Abschnitt des Rheins können das auch heute schon – nur eben keine einzige bisher zwischen Mainz und Koblenz.