Archivierter Artikel vom 18.08.2020, 20:56 Uhr

Kommentar von Chefredakteur Peter Burger: Mehr Nähe zu Menschen und Wirtschaft!

Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten. Und Volker Wissing ist schon lange wieder geistig auf der Reise – nach Berlin. Diesen Eindruck zumindest erweckt er in Gesprächen, glaubt man heimischen Unternehmern und Wirtschaftslenkern. Nicht zuletzt der durch miese Umfrageergebnisse in die Bredouille geratene FDP-Chef Christian Lindner selbst hat diesen Eindruck jetzt bestätigt, indem er seinen Intimus für dessen „Rückkehr“ nach Berlin ausdrücklich lobte.

Chefredakteur Peter Burger
Chefredakteur Peter Burger
Foto: Jens Weber

Chefredakteur Peter Burger zum geplanten Wechsel von Volker Wissing (FDP)

Und das ein halbes Jahr vor der rheinland-pfälzischen Landtagswahl und gut ein Jahr vor der Bundestagswahl. Doch Lindners eigene Prioritäten sind klar: Bundes(partei)interessen schlagen Landesinteressen. In dieser Einschätzung ist er mindestens so unnachgiebig und selbstgefällig wie im schäbigen Umgang mit seiner bisherigen „Generalin“ Linda Teuteberg, die er wie das dumme Blondchen aus dem Osten nach erfolglosem Gebrauch in drei verpatzten Ostwahlkämpfen fallen ließ.

Gewiss, Volker Wissing bleibt bis zum Ende der Mainzer Ampelkoalition weiter Wirtschaftsminister in Mainz, doch die Verlockung, die eine wegen Lindner zerplatzte Jamaika-Option einst für ihn bot, diesen Job in Berlin zu übernehmen, lässt ihn nicht mehr los. Welchen Eindruck dieser Schritt zur Unzeit in der darbenden Wirtschaft von Rheinland-Pfalz hinterlässt, ist dabei offenkundig zweitrangig. Die Mär von einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik unter Rot-Gelb-Grün im Land zeigt schon lange Risse. Das Bruttoinlandsprodukt hierzulande sinkt kontinuierlich: von noch plus 0,7 Prozent im vierten Quartal 2018 auf minus 2,1 Prozent ein Jahr später, also längst vor der Corona-Pandemie, die diese Rezession im Land jetzt nur noch weiter verstärkt, wie das Statistische Landesamt kürzlich feststellte.

Für die Liberalen im Land beginnt unterdessen das große Zittern. Wie im Bund bewegen sie sich knapp über der 5-Prozent-Hürde und damit auf sehr dünnem Eis. Ob der zuweilen unnahbar wirkende Landesvorsitzende mit seinem Drang nach Berlin sein Land für seine Ambitionen opfert, muss er selbst wissen. Zum Glück hat die FDP in Rheinland-Pfalz eine Geheimwaffe. Und die ist weiblich und ganz nah bei den Menschen – und der Wirtschaft.