Archivierter Artikel vom 20.05.2016, 19:36 Uhr

Kommentar: … und Umweltschutz stört da nur!

Viele Jahre lang galt der von einem Bagger aus dem Wald vertriebene Karl der Käfer, als das viel besungene Symbol der Naturschützer. Aber es war nicht er, der mithilfe von Fledermäusen, seltenen Feldhamstern oder Gelbbauchunken Deutschlands Vorzeigebauprojekte zum Stillstand brachte. Planer und Genehmigungsbehörden ignorierten bestehende Umweltschutzregelungen und riskierten ärgerliche Baustopps. Nun bereitet die Brüsseler Kommission eine Reform der umstrittenen Vogelschutz- und FFH-Richtlinien vor.

Detlef Drewes
Detlef Drewes.

Detlef Drewes 
zur geplanten Reform im 
Naturschutz

Die Befürchtung der Umweltorganisationen, dass dabei hohe Hürden für Eingriffe in die Bewahrung der Landschaft fallen könnten, erscheint nicht grundlos. Zu deutlich haben Präsident Jean-Claude Juncker und sein Kommissionsteam gemacht, dass sie alles tun würden, um die Wirtschaft wieder flottzumachen. Umweltschutz stört da nur.

Das ist ein Irrtum. Der Erhalt seltener Arten und Regionen ist kein Luxus, sondern eine wichtige Errungenschaft. Die Menschen wollen beides: eine prosperierende Wirtschaft, aber eben auch unberührte Natur. Sowohl die Vogelschutz- als auch die oft kritisierte FFH-Richtlinie haben diesen Brückenschlag ermöglicht, wenn Planungen von vornherein ökologisch ausgerichtet wurden. Die Verpflichtung, zerstörte Landschaften auszugleichen, war ein Hilfsmittel, dessen man sich bedienen konnte, wenn eine Baumaßnahme nötig war.

Dennoch hat die Kommission in einem wichtigen Punkt recht. Die Bürokratie ist belastend geworden und macht mit der unerträglichen Dauer von Genehmigungen und Bescheiden Investitionen wenig attraktiv. Es kann nicht sein, dass sich Umweltverträglichkeitsprüfungen Jahre hinziehen, in denen nichts geschieht. Die Zusammenführung und rechtliche Vereinfachung europäischer Vorschriften, die entsprechende Korrekturen auch der nationalen Auflagen erfordern würden, wären ein Gewinn. Aber das darf nicht zu einem Abbau des erreichten Niveaus im Landschafts- und Artenschutz führen. Beides muss man zusammenführen und das, was sich bewährt hat, erhalten. Denn die Bilanz der Regeneration unserer Umwelt erlaubt keine Schnellschüsse, weil inzwischen ja alles besser geworden sei. Das ist es nicht.