Archivierter Artikel vom 14.03.2014, 07:00 Uhr

Kommentar: Trotz Skepsis – Früherkennung rettet Leben

Gesundheitsthemen wie die Früherkennung von Krebs sind eine sensible Materie: Einerseits wünschen sich viele Patienten Informationen über Risiken und Sinn der Früherkennungsuntersuchungen. Andererseits entscheidet letztlich oft nicht der Verstand, sondern das Gefühl, ob Mann oder Frau zu einem Arzt geht, um sich auf mögliche Tumore untersuchen zu lassen.

Christian Kunst
Christian Kunst
Foto: Jens Weber

Christian Kunst zum Sinn der Krebsfrüherkennung

Deshalb ist es zunächst einmal begrüßenswert, dass die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie den Nutzen von Mammografie oder anderen Früherkennungsmethoden auf den Prüfstand stellen will. Denn es gilt: Gute Informationen sind beim Thema Krebs eine vertrauensbildende Maßnahme. Auch ist es dringend nötig, dass etwa beim Darm- oder Brustkrebs nicht starre Altersregeln für die von den Kassen finanzierte Früherkennung gelten. Eine größere Rolle muss das individuelle Risiko spielen, an Krebs zu erkranken. Dies ist bei familiären Veranlagungen oft schon weit vor dem 50. Lebensjahr sehr hoch. Überdies geraten tückische Tumore wie die in der Bauchspeicheldrüse oder der Lunge bei der derzeitigen Strategie meist aus dem Blick. Anstatt allein die Quoten bei Mammografie und Kolloskopie zu erhöhen, muss die Früherkennung umfassender gedacht werden.

Die Kritiker der Früherkennung sollten jedoch eines bedenken: Eine übertriebene Skepsis gefährdet das Vertrauen der ohnehin oft ängstlichen Patienten in die Gesamtidee der Früherkennung. Und die bleibt richtig: Je früher Krebs erkannt wird, umso geringer ist das Leiden für den Einzelnen. Die Gefahren, das sagen viele Experten, stehen in keinem Verhältnis zu den Risiken der Untersuchungen.

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