Archivierter Artikel vom 23.07.2014, 10:31 Uhr

Kommentar: Spitzenforschung zu gar nicht astronomischen Kosten

Nur wenige Schritte von dem riesigen „Eifelohr“, dem Radioteleskop in Effelsberg, entfernt, ragen knapp mannshohe, schlichte Antennen aus dem Boden – fast 200 davon. Es sieht eher nach einem landwirtschaftlichen Versuchsfeld aus, als nach einer wissenschaftlichen Forschungseinrichtung. LOFAR heißt das Feld und es ist eines von Dutzenden in ganz Europa. Die Antennen lauschen auf bslang wenig erforschten Frequenzen nach Ereignissen aus der Frühzeit des Kosmos.

Jochen Magnus kommentiert.
Jochen Magnus kommentiert.

Jochen Magnus zum Ausstieg aus dem SKA-Projekt

Dabei fallen gigantische Datenmengen an, denn die insgesamt 11.000 Antennen überschauen den gesamten Himmel über uns, nicht nur einen Ausschnitt. Die Kunst dabei ist es, diese Daten zusammenzuführen und auszuwerten. Einer der schnellsten Computer der Welt erledigt das in der niederländischen Universität Groningen. Aus LOFAR lernen Astronomen und Informatiker für das kommende weltgrößte Teleskop-Projekt SKA. Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn ist mit dabei. Dessen Direktor, Michael Kramer, ist einer der führenden europäischen Radioastronomen.

Geld wäre gut angelegt

Doch in einer Hau-Ruck-Aktion ist das Bundesfortschungsministerium aus dem Weltklasse-Projekt ausgestiegen. Ohne die Beteiligten um ihre Meinung zu fragen und ohne ihnen eine Chance zum Widerspruch zu geben. Dabei geht es um überschaubare Summen, 80, vielleicht 100 Millionen Euro in einer Dekade. Geld, das zum Teil in Form von Aufträgen an deutsche Universitäten und Unternehmen zurückfließen würde. Geld, das auch dem wissenschaftlich unterentwickelten Kontinent Afrika zufließen würde. Von den wissenschaftlichen Lorbeeren ganz zu schweigen, die sich mit diesem supermodernen Wissenschafts- und EDV-Projekt ernten lassen.

Selbst wenn die Steuereinnahmen nicht so üppig sprudeln würden, wie sie es derzeit tun: Es wäre eine Spitzen-Investition gewesen! Aber noch ist Gelegenheit für das Ministerium, den Aussieg zu überdenken. Zumal: Die Begründung mit den Kosten anderer (internationaler) Großprojekte, die in unserem Land realisiert werden, klingt durchaus nach nationalem Egoismus. Einem Vorwurf, den die Deutschen auf anderen Politikfeldern oft hören müssen.

Spitzenposition nicht aufgeben

Das Eifelohr war jahrzehntelang das größe bewegliche Radioteleskop der Welt (und ist es um Zentimerbreite beinahe immer noch). Es ist seit über 40 Jahren eines der wichtigsten Forschungsinstrumente der Welt, heute oft im Netzwerkverbund mit Teleskopen sonstwo auf dem Globus. Es wäre schön, wenn die Bundesregierung nicht die Chance vergeben würde, weiterhin in der astronomischen Weltmeister-Liga mitspielen zu können.