Archivierter Artikel vom 08.06.2017, 20:06 Uhr

Kommentar: Protest von Muslimen ist nötig

Muslime selbst sind vom grausamen Terror der Extremisten weltweit am stärksten betroffen. Für viele von ihnen ist er wie etwa in Syrien zum traurigen Alltag geworden. Trotzdem würde ein sichtbarer Protest der Millionen friedlich in Deutschland lebenden Muslime in diesen Zeiten helfen, kommentiert unsere Berliner Korrespondentin Rena Lehmann.

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Rena Lehmann
Rena Lehmann

Eine Demonstration mit vielen Tausend Teilnehmern wäre ein Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft in Deutschland, wo der internationale Terrorismus zunehmend Verunsicherung, teils sogar offene Ablehnung des Islam auslöst. Der Satz, der Terror habe mit dem Islam nichts zu tun, ist inzwischen zur Phrase geworden. Mit einer Protestaktion würde die große Mehrheit der Muslime im Land, die hier friedlich lebt und arbeitet, endlich sichtbar werden.

Im öffentlichen Fokus stehen derzeit ausschließlich die Extremisten. Es wäre angezeigt, ihnen deutlich zu machen, dass sie nicht das Bild des Islam in Deutschland bestimmen können.

Wirksam bekämpfen kann man Terroristen freilich nicht mit Demonstrationen. Hier müssen die Vertreter islamischer Verbände und vor allem die Geistlichen sich stärker engagieren. Es reicht nicht aus, sich mit Pressemitteilungen von Anschlägen zu distanzieren. Eine Distanzierung ist nicht einmal notwendig, denn wer würde ernsthaft vermuten, dass ein muslimischer Verband in Deutschland Terroranschläge unterstützt? Geistliche und Verbandsvertreter sollten aktiv dabei helfen, dem radikalen Islam den Boden zu entziehen. Sie können ihren Einfluss geltend machen und besonders der Radikalisierung von Jugendlichen entschlossen entgegentreten. Moscheen, die Hassprediger sprechen lassen, müssen geschlossen werden.

E-Mail: rena.lehmann@rhein-zeitung.net