Archivierter Artikel vom 16.02.2016, 19:17 Uhr

Kommentar: Nur ein flächendeckendes Glasfasernetz ist zukunftssicher

Glasfaser ist beim Breitbandausbau das zukunftsfähigste Material. Nur die moderne Technologie kann zuverlässig Bandbreiten von mehr als 300 Mbit/s liefern.

Carsten Zillmann kommentiert
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Carsten Zillmann kommentiert:

Das Land sollte deshalb beim Ausbau der digitalen Infrastruktur auf Glasfaserverbindungen setzen. Derzeit können nur 1,7 Prozent aller Haushalte die schnellstmöglichen Leitungen nutzen. Die Kosten für einen flächendeckenden Ausbau liegen bei rund 2,8 Milliarden Euro. Viel Geld, doch diese Investition ist zwingend notwendig. Den Parteien fehlt es aber an einer entsprechenden Vision. Ihre Pläne sind zu pragmatisch.

Gerade der Zwischenschritt über einen Glasfaserausbau lediglich bis zum Verteilerkasten vor Ort birgt große Risiken. Denn damit wird das sogenannte Super Vectoring attraktiv. Diese Technologie setzt darauf, alte Telefonleitungen zu ertüchtigen. Doch was aktuell noch attraktiv und günstig ist, wird schon bald veraltet sein. Auch Funk- oder Richtfunklösungen sollten deshalb nur ein Notbehelf sein. Digitale Anwendungen, die noch schnellere Verbindungen brauchen, entwickeln sich rasant. Bagger rollen aber nur langsam. Deshalb gilt: Glasfaser ist die Technik der Zukunft, muss aber schon heute verlegt werden. Wer Super Vectoring fördert, blockiert echte Lösungen.

Die Digitalisierung schreitet in allen Lebensbereichen voran. Derzeit sind es vor allem Unternehmen, die hohe Bandbreiten benötigen. Ist die digitale Infrastruktur nicht vorhanden, erweist sich das als ökonomischer Nachteil. Soll Rheinland-Pfalz als Industriestandort attraktiv bleiben, muss die Bandbreite stimmen. Schon jetzt lagern Firmen Rechenleistung und Verwaltungsabläufe in sogenannte Clouds, also „Datenwolken“ aus. Denkfabriken wie die „Smart Factory“ in Kaiserslautern arbeiten an der Industrie 4.0. Ziel ist eine globale Vernetzung von Unternehmen. Im Idealfall wird in Zukunft ein neues Bauteil beim Zulieferer automatisch schon dann geordert, wenn es dem Produzenten noch gar nicht ausgegangen ist. Der Datenaustausch muss dazu nahezu in Echtzeit stattfinden. Derartige Systeme sind hoch komplex und funktionieren nur, wenn die Daten nicht in einer veralteten Kupferleitung stecken bleiben. Das Kabel wird zum Nadelöhr.

Besonders Kleinunternehmer und Start-ups leiden unter langsamen Leitungen. Sie können nicht von smarten, vernetzten Anwendungen profitieren. Alternativlösungen wie der Bau einer eigenen Glasfaserleitung sind finanziell nicht zu stemmen.

Private Internetnutzer kommen mit den aktuellen Bandbreiten hingegen sehr gut aus. Rund 65 Prozent der Rheinland-Pfälzer surfen derzeit mit bis zu 50 Mbit/s durchs Internet. Doch Streamingdienste erfreuen sich schon jetzt großer Beliebtheit, und je höher die Übertragungsqualität bei Netflix, Spotify und Co. sein soll, desto mehr Bandbreite wird benötigt – gerade wenn mehrere Familienmitglieder online gehen.

Gelingt die Vernetzung, bietet das auch Chancen für den ländlichen Raum. In Betzdorf testen die Bürger gerade eine Form der Nachbarschaftshilfe 2.0: Einkaufswünsche und Mitfahrgelegenheiten werden auf einer Plattform gesammelt.

Die Politik muss deshalb einen flächendeckenden Ausbau mit Glasfaserkabel vorantreiben. Gerade in ländlichen Regionen ist der Ausbau der Leitungen wirtschaftlich unattraktiv. Hier muss das Land Geld in die Hand nehmen und investieren. Der Markt wird dieses Problem nicht lösen. Ein modernes Land hat die Pflicht, seine Bürger mit guter digitaler Infrastruktur zu versorgen.