Archivierter Artikel vom 15.12.2015, 20:19 Uhr

Kommentar: Null Abgase im Straßenverkehr sind ein realistisches Ziel

Abgaswerte für Dieselautos sollen künftig mit wirklichkeitsnahen Tests ermittelt werden. Das ist die Konsequenz aus dem VW-Dieselskandal. Dieser hat offengelegt, was man vorher nur hinter vorgehaltener Hand aussprach: Die Umweltschutznormen sind wertlos, weil sie nur mit Tricks oder gar Betrug unter Laborbedingungen einzuhalten sind. Mit dieser traurigen Tatsache wollte sich die EU-Kommission abfinden und den doppelten Schadstoffausstoß erlauben. Das wäre ein Sieg der Trickser gewesen, doch dieses Armutszeugnis hat das EU-Parlament abgewendet; die Autolobby hat die erste Runde verloren.

Jochen Magnus kommentiert.
Jochen Magnus kommentiert.

Jochen Magnus zu den EU-Abgasvorschriften für Diesel

Lassen sich keine echten Verbesserungen erreichen? Ist die Technik des Verbrennungsmotors gar ausgereizt? Es sieht danach aus: Nicht nur Abgaswerte, auch der Spritverbrauch wird mit dubiosen Methoden auf dem Papier gesenkt: mit nerv- und mechaniktötenden Start-Stopp-Automatiken zum Beispiel, die den Motor bei jedem Halt abschalten und gleich darauf neu starten, mit abenteuerlich niedrigen Automatikgetriebe-Übersetzungen, die im „Eco-Modus“ aus hochmotorisierten Kutschen lahme Enten machen, oder mit Zylinderabschaltungen, die aus geschmeidigen Sechs- profane Vierzylinder oder aus diesen ruckelige Dreizylinder machen.

Hauptsache, der „Flottenverbrauch“ stimmt

Dem Autofan bleibt die Wahl: Die technischen Tricks abschalten und mehr Sprit konsumieren, als vom Hersteller angegeben. Hauptsache, dessen “Flottenverbrauch„ stimmt, und den Vorschriften ist theoretisch Genüge getan.

In Zeiten billigen Öls tut Mehrverbrauch dem Autofahrern nicht so weh. Dem Klima aber schon: Denn der CO2-Ausstoß muss drastisch verringert werden. Mit Ölverbrennern ist das offensichtlich nicht zu schaffen.

Dabei gibt es mit Elektromotoren längst eine Lösung, die sowohl den Fahrspaß zurückbringt, als auch die Umwelt schont. Wer schon mal ein ordentlich motorisiertes Elektromobil gefahren und die überlegene Kraftentfaltung gespürt hat, wünscht sich zumeist keinen “Stinker„ zurück. Das gilt für Autos wie für Zweiräder gleichermaßen.

E-Mobilität kann nicht nur mehr Spaß machen, sondern schont auch die Umwelt, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Bei 38 Prozent Anteil an der Stromerzeugung in Rheinland-Pfalz stellt das schon heute kein Problem dar. Was fehlt, sind deutlich mehr Anreize für die Käufer und Geld für eine intelligente Strominfrastruktur: An jeder Ecke sollten intelligente Stromspender aufgebaut werden, an denen man sein Gefährt aufladen kann. Vor allem, wenn viel Wind- und Sonnenstrom produziert wird und besonders billig abzugeben ist.

E-Reichweite ist oft kein Problem

Das Gegenargument der (noch) geringen Reichweite wird weit überschätzt: Die durchschnittliche Weglänge eines Autos liegt unter 20 Kilometern. Hinzu kommt, dass fast jeder dritte Haushalt mehr als ein Auto besitzt: Hier bietet sich ein E-Mobil als Zweitgefährt geradezu an. Die Technik der “Plug-in-Hybride" schließlich vereint viele Vorteile von E- und Öl-Mobilität und findet bei den Käufern längst nicht die verdiente Aufmerksamkeit, obwohl die Industrie durchaus interessante, wenn auch teure Modelle anbietet.

Und was kann nun der Staat tun? Verbrauch und Schadstoffe der Autos ehrlich messen und besteuern, die Stromer entlasten und fördern. Starthilfe muss die öffentliche Hand geben, danach rollen die Umweltfreundlichen allein weiter, denn Massenproduktion macht sie billiger. Die Mobilitätswende wird und darf viele Jahre dauern, aber sie muss schon morgen beginnen!