Archivierter Artikel vom 21.03.2014, 18:21 Uhr

Kommentar: Mehr Flexibilität hilft Familien

Die neue Familienministerin Manuela Schwesig hat sich schon blutige Nasen geholt. Als sie mit ihrer „Vision“ von einer staatlich subventionierten 32-Stunden-Woche für Familien vorpreschte, wurde sie eilends zurückgepfiffen. Für ihre „Vision“ hat sie viel Häme aushalten müssen.

Lesezeit: 2 Minuten
Rena Lehmann
Rena Lehmann

Rena Lehmann zum Elterngeld

Auch ihren Entwurf für eine gesetzliche Frauenquote hätte sie gern schon früher vorgelegt. Mit dem Elterngeld Plus dürfte die ehrgeizige Sozialdemokratin nun den ersten Treffer landen. Der Vorschlag hilft jungen Familien ganz praktisch im Alltag und ist gerechter gegenüber Arbeitnehmern in Teilzeit.

Künftig sollen Eltern das Elterngeld 28 Monate lang erhalten können, wenn sie Teilzeit arbeiten gehen. Bisher waren Teilzeitkräfte beim Elterngeld finanziell deutlich schlechter gestellt. Auch bei der Elternzeit soll es künftig eine flexiblere Lösung geben. Es ist dem Alltag der Familien deutlich näher, wenn künftig zwischen dem dritten und achten Lebensjahr eines Kindes noch einmal längere Auszeiten möglich sind. Es nimmt Druck von den Familien, dass Eltern trotz eines beruflichen Wiedereinstiegs die Möglichkeit haben, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder zu reagieren. Vielleicht braucht der Nachwuchs zum Schulanfang noch einmal ganz besonders die Unterstützung seiner Eltern. Oder ein Kind hat andere Schwierigkeiten und braucht plötzlich mehr Zuwendung. Dann auch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal unkompliziert eine Auszeit im Job nehmen zu können, dürfte für Familien mehr Lebensqualität bedeuten.

Die Richtung von Schwesigs Familienpolitik ist klar: Sie will die Vereinbarkeit von Familie und Beruf endlich zu einer Selbstverständlichkeit machen. Und Deutschland hat hier durchaus noch sehr viel Nachholbedarf. Schwesig, die gesetzlich regeln und steuern will, wird aber darauf achten müssen, im Umgang mit Familien das nötige Fingerspitzengefühl zu zeigen. Manchmal vermittelt sie den Eindruck, dass eine gute Familie ist, wo beide Elternteile möglichst früh nach der Geburt des Kindes wieder in den Beruf (durch-)starten. Auch andere Wege müssen weiterhin möglich und respektiert sein. Familien möchten vor allem nicht bevormundet werden.