Archivierter Artikel vom 13.04.2015, 19:52 Uhr

Kommentar: Leichtsinniger Egoismus bei der Sicherheit im Internet

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schickte kürzlich drei Warnmeldungen wegen Netzattacken raus. Der sogenannte Sicherheitstacho des Internetproviders T-Online listet allein für den Monat März etwa fünf Millionen Hackerangriffe auf. Und in Brüssel tut man so, als ob man sich immer noch vorbeugend auf technischem Neuland befindet, weil zwei Cyberanschläge zum zeitweisen Abschalten von Internetauftritten großer Medienhäuser geführt haben. Das ist – bei allem Respekt – naiv.

Detlef Drewes
Detlef Drewes.
Foto: privat

Die gegenseitige Information der 28 Mitgliedstaaten sollte längst der Normalfall sein. Weil man die Ausgangslage nicht mehr nur analysieren muss, sondern mit jedem Tag mehr den Anschluss an die Kriegsführung von Terroristen und anderen Cybersöldnern verliert. Dass es bisher nicht zu wirklichen Schäden durch Attacken auf die Lebensadern moderner Industriestaaten gekommen ist, hat viel mit jenem Schutz zu tun, den diese bereits installiert, aber nicht für alle zugänglich gemacht haben. Das Problembewusstsein scheint nicht einmal innerhalb des Binnenmarktes ausgeprägt genug zu sein, damit egozentrische Einwände überwunden werden können. Viele Betroffene befürchten Nachteile, wenn bekannt wird, dass Sie Opfer einer Hackerattacke geworden sind. Das darf nicht so weitergehen.

Kriminalität im Internet endet nicht an Staatsgrenzen

Schon die bisherigen Vorstöße auf europäischer Ebene haben gezeigt, wie groß das Defizit an Harmonisierungen im Bereich der Netzsicherheit ist. Es gibt immer noch nationale Krisenstäbe, die so tun, als könne man mit der Sicherheit an den eigenen Grenzen anfangen oder bräuchte sich um das Zusammenspiel zwischen privaten Konzernen und öffentlichen Behörden nicht zu kümmern. Dabei zeigen die Anschläge, die bekannt geworden sind, wie leichtsinnig dieser Egoismus der Mitgliedstaaten werden kann.

Bisher haben die Terroristen es lediglich geschafft, Internetauftritte großer Unternehmen als Plattform für ihre Propaganda zu nutzen. Wollen die Mitgliedstaaten wirklich mit ihrer konzertierten Aktion für mehr Sicherheit warten, bis es den politischen Extremisten gelungen ist, eine Lebensader unserer Gesellschaft per Fernsteuerung zu übernehmen?