Archivierter Artikel vom 10.01.2014, 14:12 Uhr

Kommentar: Landesregierung soll Regenbogen-Flagge zeigen

Ob Linkshänder, Frauen, Farbige oder Homosexuelle: Bei allen diesen Gruppen ist es ein langer Weg bis zur Gleichberechtigung. Immer gab es angebliche Gegenargumente, warum manche eben doch „gleicher“ seien als andere. Wer kein weißer Mann ist, hat es auch heutzutage noch nicht zur hundertprozentigen Gleichberechtigung geschafft – immerhin darf ER jetzt Linkshänder sein!

Jochen Magnus kommentiert.
Jochen Magnus kommentiert.

Jochen Magnus zur Homosexualität als Schulthema

Bei dunkler Haut oder weiblichem Geschlecht oder beidem sind wir auf einem guten Weg zur Gleichberechtigung und auch bei Lesben und Schwulen sind die Verbesserungen augenfällig.

Aber in den vergangenen Jahren ist der Weg wieder steiniger geworden: „Schwuchtel“ ist ein beliebtes Schulhofschimpfwort geworden, in Sprüchen wie „Hausaufgaben sind schwul“ ist „schwul“ ein neues Synonym für doof, blöd, unbeliebt geworden.

Alleine das zeigt, wie wichtig Anti-Diskriminierungs-Kampagnen in der Schule geworden sind: eben die Akzeptanz sexueller Vielfalt. Genau so heißt das pädagogische Programm der baden-würtembergischen Landesregierung.

Dass die der Nächstenliebe verpflichteten christlichen Kirchen es ablehnen, ist eine große Enttäuschung. Das größte Ärgernis ist aber das immer wiedergekäute Argument, der gesetzliche Schutz von Ehe und Familie stünden einer Gleichberechtigung entgegen. Schon mehrfach hat das Bundesverfassungsgericht dieses Missverständnis herausgestellt und als Argument für nichtig erklärt.

So bleibt zu hoffen, dass die grün-rote Landesregierung (Regenbogen-) Flagge zeigt und die Traditionalisten – wie stets in der Geschichte – langsam, aber irgendwann dann doch, dazulernen. Sie müssen die Schwulen, Lesben, Transen und Tunten ja nicht lieben, aber sie sollen sie achten.

E-Mail: jochen.magnus@rhein-zeitung.net