Archivierter Artikel vom 26.01.2016, 22:13 Uhr

Kommentar: Kein Bargeld mehr? Wieder eine Freiheit weniger

Wie kauft man privat einen Gebrauchtwagen? Per Handschlag und Mustervertrag – das Geld wird bar übergeben. Nach dem Willen der Bundesregierung geht das in Zukunft nur noch bei Autos bis 5000 Euro. Höherwertiges kann man nur noch bargeldlos bezahlen. Bloß: Wie soll das zwischen Privaten funktionieren? Überweisungen zwischen Banken können auch im Digitalzeitalter Tage dauern, von Wochenenden und Feiertagen ganz abgesehen. Also müsste man geld- und datenfressende Dienstleister nutzen, etwa PayPal-Transfers oder ähnliches.

Jochen Magnus
Jochen Magnus
Foto: Jens Weber

Jochen Magnus zur Abschaffung und Begrenzung von Bargeld

Dass Bargeld die Geldwäsche erleichtert, ist unbestreitbar. Allerdings werden die „ganz großen Dinger“ garantiert nicht mit Geldkoffern abgewickelt, dazu reichten selbst 1000-Euro-Scheine nicht – so große Koffer gibt es gar nicht. Für die große Abzocke gibt es Scheinfirmen, Scheinumsätze, internationale Immobiliengeschäfte, Niedrigsteuerländer wie Irland oder Briefkastenfirmen-Paradiese wie die Cayman-Inseln.

Sogar die Geschäfte der Terroristen liefen ohne Bargeld schlechter, meint die Regierung. Das ist Realsatire, denn Terroristen brauchen keine Quittung und finden andere Wege: Schließlich hatten die Pariser Selbstmordattentäter trotz der in Frankreich geltenden 1000-Euro-Bargeldgrenze genügend Kalaschnikows und Sprengstoff zur Verfügung. Wäre die NSU-Mordbande bei bargeldlosem Zahlungsverkehr früher aufgeflogen, wo ein Jahrzehnt lang haarsträubendste Ermittlungspannen passierten und mindestens einmal sogar ein Verfassungsschützer zur Tatzeit vor Ort war?

Es trifft garantiert nicht die großen Halunken. Dafür aber die braven Bürger, die mal ein Spontangeschäft machen oder ein paar Tausende bar bunkern wollen. Und sei es nur für den Fall, dass Hacker oder technische Pannen das digitale Bezahlen lahmlegen. Oder damit nicht auch noch die Eiserne Reserve von Big Data erfasst wird.

Letztlich läuft es auf die immer gleiche Abwägung hinaus: Um gewissen Missbrauch zu verhindern, werden die Freiheiten aller eingeschränkt. Hier ein wenig, dort ein bisschen mehr, werden wir allmählich vom großen, wohlmeinenden Bruder eingemauert. Stein für Stein mit besten Absichten, zementiert mit einem Mörtel namens Angst.