Archivierter Artikel vom 17.02.2016, 18:23 Uhr

Kommentar: Hintertüren führen zu Datenlecks

Auf dem iPhone des islamistischen Terrorpaars könnten sich Spuren zu Komplizen des grausamen Anschlags finden, vielleicht sogar Hinweise auf weitere Attentate. Man kann sich noch dramatischere Fälle denken: Ein Bankierskind wird entführt, wie 2002 Jakob von Metzler in Frankfurt. Damals wurde dem bereits gefassten Täter mit Schmerzen gedroht, um ihn zur Preisgabe des Ortes zu verleiten. Heutzutage könnten vielleicht die im iPhone des Täters gespeicherten Koordinaten zum Opfer führen: Hacken statt foltern wäre eine humanere Alternative.

Jochen Magnus
Jochen Magnus
Foto: Jens Weber

Jochen Magnus zu Apple und dem Datenschutz

Apple hat sein Sicherheitssystem in langen Jahren perfektioniert und kann jetzt glaubhaft behaupten, man könne das sichergestellte iPhone nicht knacken, was ja juristisch in Ordnung wäre.

Doch Hintertüren für den Staat möchte Apple-Chef Tim Cook nicht entwickeln lassen. Einmal in die Welt gesetzt, könnten sie von kriminellen Hackern missbraucht werden. Oder von Regierungen, die auch religiöse oder sexuelle Abweichungen von den selbstgesetzen Normen als terroristischen Akt werten. Man denke etwa an gewaltbereite Ultrareligiöse; auch in den USA. Hintertüren sind ein zu gefährlicher Generalschlüssel.

Das Recht auf Selbstbestimmung über die eigenen Daten ist ebenso wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Folterverbot, ein Grundrecht. Das wurde in Deutschland vom Verfassungsgericht klar bestätigt. Denn ohne diese Grundrechte kann es keine freie Gesellschaft geben. Ohne Datensicherheit wäre eine netzbasierte Wirtschaft, zum Beispiel „Industrie 4.0“ auf Sand gebaut und höchst riskant. Apple hat mit seinen ernsthaften Absichten und Entwicklungen das Fundament einer netzbasierten Gesellschaft verstärkt. Tim Cook hat Recht, sich den weitergehenden Wünschen der Behörden zu verweigern. Das ist leider keine bequeme Wahrheit.