Archivierter Artikel vom 22.11.2018, 18:22 Uhr

Kommentar: Ein guter Krisenmanager ist Spahn nicht

Wenn die CDU am 7. Dezember einen Nachfolger für Parteichefin Angela Merkel wählt, müssen die Delegierten neben vielen Fragen auch die nach den Kernkompetenzen eines oder einer künftigen Bundesvorsitzenden beantworten. Die erste betrifft eine Kompetenz, die Merkel eindrucksvoll, aber bis zur inhaltlichen Selbstaufgabe beherrscht: die Rolle als Moderatorin und Krisenmanagerin.

Christian Kunst zu Jens Spahn und dem CDU-Vorsitz

Da ein CDU-Chef naturgemäß auch für die Kanzlerkandidatur prädestiniert ist, sollte gerade das Krisenmanagement und die Fähigkeit zum Ausgleich von Interessen besonders ausgeprägt sein. Gerade weil Merkel dies bis zur Perfektion getrieben hat, hat sie sich so lang an der Macht gehalten. Zweitens muss Merkels Nachfolger aber auch die Fähigkeit haben, die Volkspartei CDU so zu profilieren, dass sie nicht austauschbar ist und zugleich möglichst vielen politischen Richtungen Heimat bietet. Hier hatte die Kanzlerin deutliche Schwächen, was sie wohl letztlich die Macht in der Partei gekostet hat.

Umfrage
CDU-Vorsitz: Wer soll Angela Merkel beerben?

1001 Delegierte entscheiden am Freitag, 7. Dezember, in Hamburg, wer Angela Merkel an der Spitze der CDU ablöst. Was meinen Sie? Wer soll die oder der nächste CDU-Vorsitzende werden: Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz oder Jens Spahn?

Annegret Kramp-Karrenbauer
38%
711 Stimmen
Friedrich Merz
58%
1088 Stimmen
Jens Spahn
4%
91 Stimmen

Schaut man sich diese beiden Kernkompetenzen an, dann dürfte Gesundheitsminister Jens Spahn einige Fähigkeiten haben, die CDU inhaltlich neu aufzustellen. Doch ausgerechnet beim Krisenmanagement, das ihn auch zur Kanzlerschaft befähigen würde, weckt er erhebliche Zweifel. Der Grund mag wie eine Bagatelle klingen, doch er verunsichert viele Bürger: Der erbitterte Streit zwischen Kassen und Kliniken über zwei Bundessozialgerichtsurteile unter anderem wegen der Schlaganfallversorgung fällt letztlich auf Spahn zurück. Anstatt beide Seiten an einen runden Tisch zu holen, wie es das Mainzer Gesundheitsministerium tut, hat Spahn eine Frist durchgesetzt, innerhalb derer die Kassen klagen können. Das hat die Lage erst zugespitzt. Wer bei einem solch verhältnismäßig kleinen Konflikt die Folgen seines politischen Handelns nicht bedenkt, den mag das als Minister nicht anfechten. Ein gutes Bild als Krisenmanager gibt er nicht ab.