Archivierter Artikel vom 27.11.2018, 18:39 Uhr

Kommentar: Ein gewaltiger Schatz, den es zu heben gilt

Es gibt Berufe, die von großem Idealismus getragen werden. Die Pflege könnte ohne Menschen mit dieser Leidenschaft nicht existieren. Wer sich mit jungen Pflegeschülern unterhält, spürt einen unglaublichen Enthusiasmus, auch ein Wissen über die wachsende Komplexität des Berufs. Doch im Schnitt nach sieben bis acht Jahren ist dieser Idealismus aufgebraucht.

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Christian Kunst zum Rückkehrwunsch vieler Ex-Pflegekräfte

RZ-Redakteur Christian Kunst
RZ-Redakteur Christian Kunst
Foto: Jens Weber

Altenpfleger steigen nach durchschnittlich 8,4 Jahren, Krankenpfleger schon nach 7,5 Jahren aus – verschlissen von schwierigen, manchmal katastrophalen Arbeitsbedingungen und einer oft völlig unangemessenen Bezahlung. Jeder, der mal einen Menschen in Pflege gegeben hat, kennt diese Bedingungen aus bitterer Erfahrung.

Umso erstaunlicher ist, dass sich laut einer neuen Studie fast jede zweite ehemalige Pflegekraft vorstellen kann, in den Beruf zurückzukehren, wenn sich die Bedingungen deutlich verbessern. Dies zeigt, welch riesiges Potenzial in einem konzertierten Rückkehrerprogramm stecken könnte. Die Studie spricht von bis zu 200.000 Pflegekräften. Es überrascht, dass von ihnen kaum die Rede ist und dass sich bislang offenbar kaum jemand die Mühe gemacht hat, dieses Potenzial zu ermitteln und Strategien für eine Rückkehr zu entwickeln. Stattdessen wird nach ausländischen Pflegekräften gerufen, obwohl die bisherigen Zahlen zeigen, dass sie die Fachkräftelücke nicht schließen können.

Wichtiger wäre es, die Pflegepolitik viel stärker an den Bedürfnissen der Rückkehrwilligen zu orientieren – die sich mit den Wünschen derjenigen decken dürften, die noch im Beruf arbeiten. Ob Rückkehrprämien oder flexible Arbeitszeitmodelle – die Bundesregierung hat hier viele richtige Ideen vorangetrieben. Doch letztlich werden Pflegekräfte nur zurückkehren, wenn ihr Beruf nicht nur von Idealismus, sondern auch von einer angemessenen Bezahlung in Kranken- und Altenpflege getragen wird.