Archivierter Artikel vom 20.07.2016, 21:55 Uhr

Kommentar: Donald Trump steht für ein anderes Amerika

Donald Trump steht vor dem Ziel seiner Mission. Die Delegierten haben ihn auf dem Wahlparteitag der Republikaner offiziell zum Präsidentschaftskandidaten der USA gekürt. Die Partei Abraham Lincolns, Ronald Reagans und George W. Bushs folgt einem Rattenfänger, der Amerikas Konservative in den Untergang führt.

Selbst wenn Trump im November die Wahl gewinnt, sind die Tage der traditionellen Republikaner gezählt. Die Partei, die Amerika einst aus der Sklaverei führte, wird von einem bigotten Mann geführt, der offen Rassismus und Diskriminierung predigt.

Die leidenschaftlichsten Verfechter des Freihandels haben nun einen Protektionisten an ihrer Spitze, der wirtschaftlichen Nationalismus über die Verheißung offener Märkte stellt. Trump setzt auf Isolationismus, während die Republikaner die längste Zeit die Partei des Interventionismus waren. Dass nun ausgerechnet die emsigsten Agenten der Globalisierung die ersten Opfer eines engstirnigen Populisten werden, entbehrt nicht der Ironie und verlangt eine Erklärung.

Während die Führer der Republikaner über Jahrzehnte eine Politik betrieben, die soziale Sicherungsnetze zerschnitt, den Zugang zu Bildung und Gesundheit erschwerte und die kleinen Leute den Preis für ihre militärischen Abenteuer zahlen ließ, appellierten sie unterschwellig an die Ängste ihrer weißen Basis im ländlichen Amerika.

Trumps Wähler finden es nun erfrischend, wenn ihr Führer nicht mehr bloß zwischen den Zeilen, sondern ganz direkt ausspricht, was sie denken. Seine Schöpfer verloren die Kontrolle über das Monster, weil sie es über Jahre mit ihren impliziten Botschaften genährt hatten. Die Nominierung Trumps in Cleveland bedeutet nun nicht nur das Ende einer konservativen Bewegung, die an ihren eigenen Widersprüchen scheiterte. Sie bedroht nun auch den Kern einer vitalen Nation, die entgegen aller Unkenrufe noch immer der Neid der Welt ist. Dass Amerika unter Präsident Barack Obama rasant auf seinen Niedergang zusteuert, gehört zu den Idiotien, die der Twitter-König aus Manhattan schamlos verbreitet.

Tatsächlich blicken die USA auf eine der längsten Wachstumsphasen in der Geschichte zurück. Der Aktienmarkt notiert so hoch wie nie zuvor und die Arbeitslosigkeit liegt mit unter 5 Prozent niedriger denn je. Zuletzt zogen auch die Löhne an.

Dasselbe gilt für die Rassenbeziehungen in den USA. Trotz eines ungerechten Systems der Strafjustiz, ökonomischer Ungleichheit und Polizeigewalt macht das Land Fortschritte. Weiße und nicht weiße Amerikaner leben heute selbstverständlicher zusammen als jemals zuvor in der Geschichte, vor allem die jüngeren Generationen. Die größte Gefahr für die USA rührt nicht von ihren realen Problemen, sondern Führern, die nicht an die besten, sondern niedersten Instinkte der Wähler appellieren.

Erfolgreiche amerikanische Präsidentschaftskandidaten haben im Wahlkampf immer den Optimismus einer Nation beschworen, die „Yes we can“ zur Zukunft sagt. Donald Trump ist auch deshalb kein „normaler“ Kandidat, weil er Pessimismus und Zwietracht sät. Er hetzt gegen Einwanderer ohne Papiere, droht Frauen, die eine Schwangerschaft beenden wollen, mit Strafen und will die Angehörigen einer Weltreligion diskriminieren. Trump steht nicht nur für eine andere Politik, sondern für ein anderes Amerika. Seine Nominierung zum Spitzenkandidaten der Republikaner muss deshalb alle Alarmglocken schrillen lassen.

E-Mail: thomas.spang@rhein-zeitung.net