Archivierter Artikel vom 07.01.2016, 20:17 Uhr

Kommentar: Diese Männer können sich offenbar sicher fühlen

Seit Tagen beherrscht ein Thema Zeitungen, TV-Sendungen und Timelines: Die Vorfälle in der Silvesternacht – in Köln, aber in kleineren Maßstäben auch in anderen Großstädten. Und es wird diskutiert. Über die Arbeit der Polizei, über die Arbeit der Medien und das Verhalten einer Horde von Männern, die wahrscheinlich aus einem anderen Kulturkreis stammen. Und natürlich gibt auch jeder noch seinen Senf dazu, wie Frauen auftreten sollen, können, dürfen.

Christina Nover.
Christina Nover.

Christina Nover zu den Vorfällen in Köln

Ich selbst habe mehrere Jahre in Köln gelebt und weiß, wie es an Karneval oder bei anderen Festivitäten zugeht. Körperkontakt gehört einfach dazu. Und manchmal wird diese Nähe kolossal ausgenutzt. Da wird die schmale Grenze zwischen nah und zu nah überschritten und zugepackt. Und dabei ist es vollkommen egal, welche Hautfarbe, welches Alter oder welche Herkunft dieser andere Mensch hat, es fühlt sich mies an. Es ist allerdings nicht egal, in welcher Situation es zu einer solchen Grenzübertretung kommt. Passiert es vereinzelt in ausgelassener Stimmung auf einem Fest, dann kann Frau sich immer noch wehren und sich gegebenenfalls mit einer Ohrfeige oder einer ähnlichen Antwort revanchieren.

Eine ganz andere Kategorie

Doch wenn ein solcher Übergriff in Masse und noch mit einem kriminellen Hintergrund passiert, dann ist das eine ganz andere Kategorie. Ich bin mir sicher, dass all die Frauen, die in der Silvesternacht Opfer einer solchen Attacke geworden sind oder sie miterleben mussten, noch eine Weile daran zu knabbern haben. Sie werden es sich beim nächsten Ausgehen mehrfach überlegen, wo sie hingehen, was sie anziehen und ob sie sich nicht vielleicht doch ein Abwehrspray zulegen. Allerdings: Ein ungutes Gefühl dabei, nachts allein durch Großstadt zu laufen, das hatten viele Frauen auch vorher schon. Und das ist tragisch.

Hier geht es nämlich nicht nur um mangelnden Respekt vor Frauen, sondern auch vor Polizisten – diejenigen, die uns eigentlich zur Hilfe kommen sollen. Doch wenn ein Polizist seine Uniform anzieht, dann ist das nicht so, als ob er oder sich ein Superheldenkostüm überstreifen würde, das unbesiegbar und unantastbar macht. Ganz im Gegenteil. Wer Uniform trägt, der muss mit Beleidigungen rechnen. Beamte werden im Einsatz bespuckt und angegriffen. Männer ebenso wie Frauen. Von Menschen jeder Couleur, die keinen Respekt vor ihnen haben. Deshalb wundert es mich auch nicht zu hören, dass die Polizisten in Köln teilweise mit Böllern beworfen und so bei ihrem Einsatz massiv behindert wurden.

Kriminelle Energien unterschätzt

Die Silvesternacht hat uns allen vor Augen geführt, was passieren kann, wenn man kriminelle Energien unterschätzt. Viele Frauen mussten dafür einen bitteren Preis zahlen. Und dabei ist es vollkommen egal, ob die Männer, die an Silvester handgreiflich wurden, nun Araber, Afrikaner oder Typen aus dem Nachbardorf waren. Es sind Verbrecher. Wenn die Polizei von Bandenkriminalität spricht, dann ist klar, dass viele dieser Männer nicht zum ersten Mal so agiert haben. Aber sonst wissen wir so gut wie nichts über die Täter. Woher kommen sie? Waren es überhaupt alles Muslime? Und warum haben sie nichts Besseres zu tun, als Frauen zu begrapschen und auszurauben?

Viele Fragen sind noch ungeklärt, und das Schlimme ist: Wahrscheinlich werden die meisten dieser Männer nie zur Verantwortung gezogen werden können. Weil es an Beweisen fehlt – wie so oft, wenn jemand nicht auf frischer Tat ertappt wurde. Diese Männer können Frauen weiter auf die Pelle rücken und lassen sich durch unseren Rechtsstaat nicht beeindrucken. Sie fühlen sich sicher auf unseren Straßen, während Frauen sich über eine Armlänge Abstand Gedanken machen sollen. Das darf nicht die Zukunft sein.