Archivierter Artikel vom 19.11.2014, 19:27 Uhr

Kommentar: Die realen Kosten der Atomenergie kommen allmählich ans Licht

Warum erschrickt man nicht über den jetzt bekannt gewordenen amtlichen Befund, wonach die Menge des in Deutschland anfallenden Atommülls doppelt so hoch sein wird wie bislang verlautbart? Warum wundert man sich nicht über die damit verbundene Feststellung, der für die Endlagerung von leicht- und mittelradioaktivem Müll vorgesehene Schacht Konrad werde dafür keinesfalls ausreichen, weshalb (mindestens) ein zusätzliches Endlager einzurichten sei?

Andreas Pecht
Andreas Pecht

Andreas Pecht 
zur Atomenergie und ihren teuren Folgekosten

Weil jeder von den Versprechen der Atomwirtschaft und ihrer politischen Förderer nicht vollends eingelullte Zeitgenosse sich schon vor 30 und mehr Jahren ausgerechnet hatte, dass es in dieser oder jener Spielart genau so kommen wird. Und das letzte Wort über den tatsächlichen Entsorgungsaufwand ist mit den jetzigen „neuen“ Einsichten im Entwurf des nationalen Entsorgungsplanes gewiss noch gar nicht gesprochen.

Die doppelte Atomlüge: Weder sauber noch preiswert

Noch zu Lebzeiten der heutigen Mittfünfziger wird der Preis des gesamten bislang hierzulande produzierten Atomstroms rückwirkend neu zu kalkulieren sein: wegen nun nicht länger zu verheimlichender oder zu verdrängender, mittelfristig zusätzlich entstehender Entsorgungskosten im hohen zweistelligen, eher noch dreistelligen Milliardenbereich. Es erweist sich, was ebenfalls jeder seit 30 und mehr Jahren hätte wissen können, aber viele nicht wissen wollten, was Energiewirtschaft und politische Lobby wohl wussten, aber ignorierten oder vertuschten: Atomenergie ist weder sauber, noch ist sie preiswert. Sie ist im Gegenteil durch versteckte Subventionen und Übertragung der Realkosten auf nachfolgende Generationen die langfristig am höchsten von der Allgemeinheit bezuschusste und de facto teuerste Art der Energie überhaupt.

Mal nur streng nach marktwirtschaftlicher Doktrin argumentiert: Wären die damals aktuellen und die (schon damals) absehbar noch anfallenden Realkosten von Anfang an auf offener Bühne in den Preis für jede Kilowattstunde Atomstrom eingerechnet worden, das Zeitalter „friedlicher Nutzung der Kernenergie“ hätte wegen Unwirtschaftlichkeit gar nicht stattfinden können. Jetzt aber haben wir die Bescherung und müssen zusehen, wie wir damit klarkommen.

Die Profiteure in die Pflicht nehmen

Die tatsächlichen Atomfolgekosten dürfen nicht allein der Allgemeinheit aufgebürdet, die Energiekonzerne nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Die Begleichung der nachgetragenen Rechnungen könnte zwar dem einen oder anderen Kraftwerksbetreiber richtig wehtun. Aber sie haben schließlich über Jahrzehnte bestens verdient – an der klammheimlich uns und unseren Nachfahren abgeluchsten Subventionierung des Atomstroms.