Archivierter Artikel vom 02.06.2014, 00:00 Uhr

Kommentar: Die neuen Ring-Betreiber haben nicht auf Sand gebaut

Dass viele Rock-am-Ring-Fans wegen des Wegzugs des Traditionsfestivals traurig sind: Das kann man gut verstehen. Viele Menschen verbinden damit tolle Erinnerungen. Viele fragen sich: Wie kann man nur so ein Festival ziehen lassen?

Claus Ambrosius
Claus Ambrosius
Foto: Jens Weber

Claus Ambrosius zum neuen Ring-Partner

Wenn die neue Betreiberfirma Capricorn tatsächlich morgen die DEAG als neuen Musikpartner am Ring vorstellen sollte, muss man sagen: Sie haben ihr Konzept nicht auf Sand gebaut. Wenn man einer Veranstaltergröße wie Marek Lieberberg Adieu sagt, kann man schlecht mit einem kleineren Kaliber auf Erfolg hoffen. Dass war den neuen Herren des Rings offenbar klar, sie haben einen der Großen auf Augenhöhe vom Markt geholt, der in seinen Reihen Erfahrung in Sachen Festivals zu bieten hat.

Genaue Kopie ergibt wohl wenig Sinn

Wer jetzt denkt, dass die Neuen es bestimmt nicht genau so hinbekommen, wie es jetzt zum letzten Mal bei Rock am Ring auf dem Ring sein wird, hat vermutlich recht: Eine genaue Kopie ergibt wohl wenig Sinn. Außerdem: Auch Rock am Ring hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder teilweise neu erfunden und sein Profil mal in diese, mal in jene Richtung justiert.

Ein neues Festival steht – egal, wer es macht – vor vielen großen Herausforderungen. Aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung – durchaus auch darin, was nicht funktioniert – dürfte die DEAG ganz genau wissen, dass man schon einige Hausnummern bieten muss, wenn die Leute dafür eigens in die Eifel fahren sollen. Die Bands touren heute häufiger und an mehr Orten als je zuvor – es muss einen fühlbaren Grund geben, zum Ring zu kommen und nicht einfach schnell mit der Bahn oder mit dem Auto bequem in eine Arena zu fahren.

Für die Region ist bei aller Nostalgie eines wichtig: Wenn wir schon Rock am Ring verlieren, kann es nur in unserem Sinne sein, wieder ein Zugpferd in vergleichbarer Größe und Bedeutung zu bekommen. Das ist am Anfang sicherlich schwer, braucht möglicherweise etwas Geduld. Denn: Sollte selbst die DEAG mit ihrem gut gefüllten Künstlerkatalog feststellen, dass am Ring auf Dauer nicht genügend Geld zu holen ist für ein großes Festival, an dem Veranstalter und Ring-Betreiber gut verdienen: Das wäre eine arge Enttäuschung. Aber nicht zu vergessen: Lange Jahre konnte man am Ring davon ausgehen, dass das Land am Ende des Jahres für alle Fehlbeträge aufkommt. Dass von nun an ein privater Betreiber anders rechnen muss, kann ihm niemand verwehren.