Archivierter Artikel vom 24.07.2018, 21:10 Uhr

Kommentar: Die Gefahr von Terror bleibt bestehen

Deutschland sollte sich auf neuen Terror gefasst machen. Diese Botschaft hat Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen in der Präsentation des jüngsten Verfassungsschutzberichtes versteckt. Einen Hinweis brachte er in seiner Aufzählung der Terroranschläge des vergangenen Jahres unter, die auf bemerkenswerte Weise genau vor einem Jahr im Edeka-Markt in Hamburg endet.

Gregor Mayntz
Gregor Mayntz
Foto: RZ-Archiv

Gregor Mayntz zum Bericht des 
Verfassungsschutzes

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Menschen in Deutschland ein Jahr lang vom Terror verschont geblieben sind. In diesen Zeiten international operierender Islamisten-Organisationen sollte das auch einmal gewürdigt werden. Selbst wenn neben der Arbeit der Sicherheitsbehörden sicher auch viel Glück eine Rolle spielte. Ein Zeichen der Entspannung könnte der Kalender liefern. Denn die Serie von Anschlägen in Bayern liegt bereits zwei Jahre zurück, die furchtbare Terrortat vom Berliner Breitscheidplatz eineinhalb.

Tatsächlich konnte von Schwerin bis Köln-Chorweiler eine ganze Reihe von Anschlagsplänen rechtzeitig enttarnt und vereitelt werden. Doch gerade der Bau der Biobombe in der Domstadt war offensichtlich weit fortgeschritten. Jedenfalls fiel Maaßens Hinweis auf, dass er früher im Angesicht abstrakt drohender Anschläge immer relativ gelassen gewesen sei, er es angesichts der konkreten biologischen Sprengkörper-Vorbereitung in Köln und einen Monat davor in Paris aber nicht mehr ist. Denn dahinter stecken keine aufwendigen Terroroperationen, die breite Spuren der Kommunikation hinterlassen. Die Drahtzieher sind kaum zu fassende Einzelne, auf die die Terrorabwehr nur durch höchste Konzentration, größte Wachsamkeit der Bevölkerung und befreundeter Dienst oder gar nur zufällig kommen kann. Deutschland sollte also mental darauf vorbereitet sein, dass die derzeit anhaltende Glückssträhne ganz plötzlich zu Ende sein kann.