Archivierter Artikel vom 16.11.2017, 18:58 Uhr

Kommentar: Deutschland sollte auf Kohle verzichten

Die deutsche Energiewende ist ein Experiment, das weltweit Beachtung und – je nachdem – Bewunderung oder Skepsis findet, weil sich eine Industrienation ehrgeizige Klimaziele setzt und dabei auch noch auf Atomenergie verzichten will.

Stefan Hantzschmann über Klimaschutzpolitik einer künftigen Regierung

Stefan Hantzschmann kommentiert.
Stefan Hantzschmann kommentiert.
Nicht nur Umweltschützer reiben der Klimakanzlerin Angela Merkel (CDU) gern unter die Nase, dass Kohlekraftwerke hierzulande immer noch einen Anteil von mehr als 40 Prozent an der Stromproduktion haben. In Bonn haben sich nun 18 Staaten von der Kohle verabschiedet und damit der Bundesrepublik den Spiegel vorgehalten. Ein Tag zuvor hatte Merkel den Klimaschutz noch als „Schicksalsfrage“ für unsere Welt bezeichnet, in ihren folgenden Sätzen war sie aber maximal unkonkret geblieben, wie Deutschland in Zukunft mit Kohleenergie umgehen will.

Die Gründung der Anti-Kohle-Allianz in Bonn wirft ein Schlaglicht auf die Sondierungsgespräche in Berlin. Dort streiten sich Union, FDP und Grüne noch über die Frage, wie Klimaschutz bei uns aussehen soll. Dabei ist die Antwort klar: Wir müssen uns von der Kohle verabschieden, und zwar möglichst schnell. Ein solcher Vorstoß würde noch nicht einmal heftigen Gegenwind provozieren. Einer repräsentativen Emnid-Umfrage zufolge wünschen sich 76 Prozent der Befragten, dass Berlin den Ausstieg aus der Kohleenergie umsetzt. Vor einigen Tagen hatte eine Gruppe von 50 deutschen Unternehmen für den Kohleausstieg geworben – unter ihnen Siemens und der Energiekonzern EnBW.

Die Menschen in Deutschland wollen keine Atomkraftwerke, deshalb hat es Deutschland tatsächlich schwerer als andere Industrienationen, die Kohle hinter sich zu lassen. Doch gerade der Ausstieg aus der Atomkraft hat gezeigt, dass eine mutige politische Entscheidung wie ein Katalysator wirken kann. Damals wurde Deutschland zum Innovationstreiber bei der Solarenergie. Ein bisschen mehr politischer Druck aus Berlin wäre gut, um die lahmende Energiewende wieder in Schwung zu bringen.