Archivierter Artikel vom 20.11.2014, 18:21 Uhr

Kommentar: Computer in der Schule sind vor allem Werkzeuge

Zunächst die gute Nachricht: Zwei von drei deutschen Schülern können schon im zarten Alter von 12, 13 Jahren mit digitalen Medien gut bis sehr gut umgehen. Da wird manches „ältere Semester“ neidisch. Mit diesem Ergebnis der ICILS-Studie liegt Deutschland im oberen Mittelfeld.. Also ist diese Studie keineswegs ein neuer „Pisa-Schock“.

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Jochen Magnus kommentiert.
Jochen Magnus kommentiert.

Jochen Magnus zum Lernen mit Computern

Aber zwei schlechte Nachrichten birgt sie dennoch. Die erste: Knapp ein Drittel der deutschen Schüler kann Computer und Internet nicht „vernünftig“ nutzen, sprich: Diese Gruppe kann kaum Wissen und Informationen im Netz finden und nur mit Mühe ein Schreiben oder eine Grafik am Bildschirm erstellen. „Diese Schülergruppe wird es voraussichtlich schwer haben, erfolgreich am privaten, beruflichen sowie gesellschaftlichen Leben des 21. Jahrhunderts teilzuhaben“, heißt es in dem Bericht. Der stellt auch fest, dass die Fähigkeiten der deutschen Schüler im Umgang mit Neuen Medien sehr von ihrer sozialen Herkunft abhängt. Schüler aus bildungsferneren Schichten lernen also den nutzbringenden Umgang mit Computern nicht zu Hause oder von Freunden.

Die zweite schlechte Nachricht lautet: Deutsche Schulen sind meist arm an moderner Computertechnik – manche haben nicht mal einen brauchbaren Internetanschluss. Viele Schulen können somit dem abgehängten „unteren Drittel“ gar nicht auf die Sprünge helfen. Und die Vorbehalte zu vieler Lehrer gegen den Einsatz von Computern im Unterricht tun ihr Übriges: Hier versagt das deutsche Schulsystem, hier muss dringend nachgebessert werden.

Chance auf Wissen für alle

Computer, heute oft zum „Netbook“, Tablet oder Smartphone geschrumpft, sind eben nicht nur reine Spielzeuge (diesen Aspekt lernen die „Kleinen“ von ganz alleine), sondern Werkzeuge in vielen Berufen. Sie sind auch die Pforte zu mehr Wissen und dank Internet eine ungeheure Chance auf Wissen und Bildung für jeden!

Die Anleitung zum Lernen müssen die Schulen liefern, dazu müssen sie angemessen ausgestattet werden. Es geht freilich nicht darum, technische Detailkenntnisse über Computer zu vermitteln. Die Forderung von Wirtschaftsminister Gabriel, „Programmiersprache als zweite Fremdsprache in Schulen anzubieten“, geht genau in die falsche Richtung. Programmieren ist eine Spezialkenntnis wie Altgriechisch, Klavierspielen oder Schweißtechnik.

Das Lernen lehren

Es geht vielmehr um die Anleitung zum Lernen mit modernen Mitteln und um Medienkompetenz. Den Umgang mit modernen Werkzeugen zu vermitteln, ist keine Frage von Entweder-Oder, sondern eine wichtige Ergänzung heutiger Unterrichtsinhalte. Mehr Medienkompetenz bedeutet nämlich auch, auf das Pauken jederzeit nachschlagbarer Details verzichten zu können. Wenn man so die Lehrpläne entrümpeln würde, bliebe trotz und wegen Computern und Internet in der Schule mehr Raum für die wirklich schönen und nicht minder wichtigen Fächer wie Musik, Kunst oder Sport übrig.