Archivierter Artikel vom 28.03.2020, 08:00 Uhr

Immer mehr Regenbogen in Europa: Warum das so ist und was in der Corona-Krise noch Mut macht

Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen: Dieses Zitat stammt vom chinesischen Philosophen Konfuzius. Und vielleicht sollten wir es uns zum jetzigen Wochenende, das trotz allen Sonnenscheins wieder im Zeichen massivster Einschränkungen steht, besonders zu Herzen nehmen, um im Kampf gegen das Coronavirus nicht den Mut zu verlieren. Wem das Zitat dazu nicht reicht, für den haben wir auch heute wieder acht positive oder amüsante Meldungen rund um das Virus, die Mut machen und Freude bereiten sollen.

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Regenbogen für die Hoffnung: An diesem tollen Zeichen vieler Kinder beteiligt sich neben vielen anderen auch die Grundschule im Idar-Obersteiner Stadtteil Algenrodt. Lehrerinnen und pädagogische Mitarbeiter möchten so auch ihren Kindern zu Hause Mut machen, weiterhin solidarisch zu sein, aneinander zu denken und diese schwierige Zeit gemeinsam zu meistern.  Foto: privat
Regenbogen für die Hoffnung: An diesem tollen Zeichen vieler Kinder beteiligt sich neben vielen anderen auch die Grundschule im Idar-Obersteiner Stadtteil Algenrodt. Lehrerinnen und pädagogische Mitarbeiter möchten so auch ihren Kindern zu Hause Mut machen, weiterhin solidarisch zu sein, aneinander zu denken und diese schwierige Zeit gemeinsam zu meistern.
Foto: privat

1 Das kleine Glück der Regenbogen
Manch einem dürfte dieser Tage schon Mut machen, wenn er offenen Auges – und selbstverständlich mit ausreichend Abstand zu anderen – durch sein Wohnviertel spaziert. Denn wahrscheinlich entdeckt er dabei Regenbogen: in Fenstern, mit Kreide auf die Straße gemalt oder einfach als Bild an die Haustür gehängt. Verantwortlich für die bunten Mutmacher sind Kinder. Immer mehr greifen in diesen tristen Corona-Tagen zu bunten Stiften oder Tuschkästen, ihre Eltern teilen die Werke auf den sozialen Plattformen im Internet unter dem Schlagwort #RegenbogenGegenCorona. Die Idee stammt aus Italien und Spanien. Wegen der Kontaktbeschränkungen dürfen Kinder sich nicht mit ihren Freunden zum Spielen treffen – und versuchen so, die Zeit nett zu überbrücken. Außerdem können andere Kinder die kleinen Kunstwerke von Balkon oder Fenster aus sehen und wissen so, dass sie nicht als Einzige allein zu Hause ausharren müssen.

2 Polizisten in die Applausfalle gelockt
Mutmachen ist in diesen Tage essenziell – Danke sagen aber auch. In Köln haben dies nun einige Menschen auf eine ganz besondere Art und Weise für Polizei, Feuerwehr und Rettungssanitäter getan. Die Kölner fragten an, ob ein paar Einsatzkräfte – sofern es die Lage zulasse – am Donnerstag gegen 21 Uhr in den Stadtteil Sülz kommen könnten. Die Helfer kamen – was dann geschah, ist in einem sehr emotionalen Video festgehalten (zu sehen unter www.ku-rz.de/veedel). Es erklangen tosender Applaus und „Danke“-Rufe in der ganzen Nachbarschaft. Dazu lief der kölsche Liedklassiker „En unserem Veedel“ („In unserem Viertel“) der Bläck Fööss. Er beschwört den Zusammenhalt, auch in schwierigen Zeiten. Die Einsatzkräfte bedankten sich mit eingeschaltetem Blaulicht. Eine Feuerwehrsprecherin, die dabei war, fasste die Gefühlslage so zusammen: „War mega.“ Zuvor hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ über die rührende und Mut machende Aktion berichtet.

3 Vom Eiffelturm bis zum Matterhorn
Mut machen sollen auch zwei ganz besondere Aktionen am Eiffelturm und am Matterhorn. Auf den Eiffelturm soll ab sofort jeden Abend um 20 Uhr das Wort „Merci“ projiziert werden, als Dank an die Helfer in der Corona-Pandemie. Von 20.30 bis 23 Uhr wird der Turm die Pariser daran erinnern, zu Hause zu bleiben. Abwechselnd sollen die Worte „Restez chez vous“ und „Stay at Home“ (Bleibt zu Hause) zu lesen sein. Im leer gefegten Wintersportort Zermatt wird das Matterhorn zum Symbol der Hoffnung: Ein Lichtkünstler wirft abends für mehrere Stunden ein Licht auf das markante Wahrzeichen. Auf dem Felsmassiv erscheint zum Beispiel der Schriftzug „Hope“ (Hoffnung) oder die quadratische Schweizer Flagge. Die Ortschaft hat den Lichtkünstler Gerry Hofstetter mit der Aktion beauftragt. „Zermatt ist überzeugt: So stark wie das Matterhorn, so stark muss die Gesellschaft nun zusammenstehen, verankert sein und den Sturm vorbeiziehen lassen.“ Die Aktion soll bis zum 19. April laufen. Webcams übertragen die Livebilder auf www.zermatt.ch/hope.

4 Gratistaxis für die Senioren
Ein besonderes Zeichen der Solidarität haben sich auch Nachbarn der Schweizer in Österreich ausgedacht. Die Stadt Wien spendiert angesichts des Infektionsrisikos mit dem Coronavirus allen Senioren über 65 Jahre einen Taxigutschein in Höhe von 50 Euro. Die Gutscheine sind Teil eines 85 Millionen Euro schweren Corona-Hilfspakets der rot-grün regierten österreichischen Hauptstadt.

5 Tipps aus dem Weltall
Ganz praktische Tipps für die viele Zeit in den eigenen vier Wänden gibt es unterdessen von einem, der sich mit Isolation und Mangel an Ausgehmöglichkeiten so auskennt wie kaum ein anderer: Astronaut Alexander Gerst, genannt Astro Alex. Für ihn ist vor allem Selbstdisziplin wichtig, um die Zeit in der Corona-Isolation gut zu überstehen. Man müsse sich Dinge vornehmen, wie zum Beispiel alte Dias sortieren oder den Frühjahrsputz auf der Terrasse, empfiehlt Gerst. Auch auf der Raumstation, wo die Astronauten auf engstem Raum für lange Zeit zusammenleben müssen, sei das eine Taktik: „Bei uns war es wichtig, dass wir immer was zu tun hatten, dass wir Projekte hatten.“ Für Gerst hängt viel von der Grundeinstellung ab: „Es ist sehr wichtig in solchen Zeiten, dass man positiv nach vorn schaut“. Man könne es als Chance sehen, eine ungekannte Situation wie die aktuelle zusammen zu überstehen – und daraus einen Gewinn ziehen. Die Menschen könnten sich jetzt fragen, wie sie wohl in zehn Jahren zurückschauen. Man werde vielleicht sagen: „Wir haben das Beste daraus gemacht, wir haben uns gegenseitig geholfen.“

6 Facebook geht gegen Lügen vor
Daran, dass nur sinnvolle und richtige Hilfestellung für die Corona-Krise die Menschen erreichen, arbeitet derzeit Facebook vermehrt. Fake News und Lügen sollen keinen Raum mehr haben. Facebook will mit Vorrang falsche Informationen über das Virus löschen, durch die Menschen zu Schaden kommen können. Das sind zum Beispiel Empfehlungen, gegen die Infektion Bleiche zu trinken oder Knoblauch zu essen, sowie falsche Informationen zur lokalen Ausbreitung der Krankheit, sagte Facebook-Managerin Jessica Zucker. Zugleich versucht Facebook, den Nutzern Zugang zu verlässlichen Informationen etwa von der Weltgesundheitsorganisation WHO zu erleichtern. Falsche Behauptungen, die nicht direkt Menschenleben bedrohen, bleiben auf der Plattform – sie werden aber mit Warnhinweisen von mit Facebook zusammenarbeitenden Faktencheckern versehen und ihre Verbreitung wird eingeschränkt.

7 Solidarität mit den Klubs ist ein Erfolg
Ebenfalls ums Internet dreht sich die nächst positive Nachricht. Die täglichen Livestreams mit DJ-Sets aus den wegen der Corona-Krise geschlossenen Klubs in Berlin sind ein derartiger Erfolg, dass sie in weitere Städte ausgebreitet werden sollen. Von der kommenden Woche an wollen sich auch Klubs etwa aus Hamburg, München, Leipzig, Wien oder Amsterdam an der Aktion #UnitedWeStream beteiligen. Nach der ersten Woche der Streams gibt es bereits mehr als drei Millionen Nutzer auf der Seite. An der damit verbundenen Geldsammlung beteiligten sich bisher knapp 10.000 Menschen, die mehr als eine viertel Million Euro für die Klubs spendeten. Ein Teil davon ist auch für die Flüchtlingshilfe vorgesehen.

8 Eine neue Hymne der Hoffnung für die Welt?
Bleiben wir mit dem letzten Hoffnungsmacher für heute beim Thema Musik. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen – das hat sich wohl auch der amerikanische Popsänger Lionel Richie gedacht und plant nun eventuell Großes. Er denkt wegen der Corona-Krise darüber nach, seinen Hit „We are the World“ wieder aufzulegen. Vor Kurzem hatte er noch abgelehnt, etwas mit dem Song zu machen, sagte der 70-Jährige jüngst im US-Magazin „People“. Doch nun sieht er das anders. „Die Message ist so klar“, sagte Richie. Er habe versucht, einen anderen Song zu schreiben – doch ihm kamen immer wieder diese Worte in den Kopf. 1985 hatte der von Lionel Richie und Michael Jackson geschriebene Song mehr als 50 Millionen Dollar für einen Afrika-Hilfsfonds eingebracht. Eine Neuauflage im Kampf gegen Corona mit ähnlichem Erfolg wäre ein Zeichen der Hoffnung. mkn/dpa